Rolf Vollmann
Die wunderbaren Falschmünzer

Vollmann, Rolf

Die wunderbaren Falschmünzer

Ein Roman-Verführer 1800–1930

Band 1: 1800-1875, Band 2: 1876- 1930

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Eine Art Roman der Romane.

Romanführer gibt es genug, aber sie haben einen kleinen Nachteil: sie stehen nur zum Nachschlagen im Regal – man kann sie nämlich nicht lesen. Dagegen Rolf Vollmann! Er zählt nicht nur Autoren auf, er ist selber einer, und sein Buch ist eine große Erzählung, die davon handelt, was die großen Erzähler der letzten hundertfünfzig Jahre alles erzählt haben.

Statt eines Datenspeichers haben wir also ein Buch der Verführungen vor uns. Im Gegensatz zu den meisten Literaturhistorikern und Kompilatoren ist Vollmann selber ein leidenschaftlicher Romanliebhaber; und somit kann sich, wer sein Werk zur Hand nimmt, darauf verlassen, daß er alle Bücber, von denen er spricht, tatsächlich auch gelesen hat. Damit steht er wahrscheinlich einzig da.

Es sind gut tausend Romane aus allen europäischen und amerikanischen Literaturen und rund dreihundert Romanciers, die er uns vorstellt. Die Auswahl der Verfasser ist nicht willkürlich – Vollmann hat sich immer etwas dabei gedacht –, die Auswahl ihrer Werke dagegen ist durchaus subjektiv. Es sind Romane, die ihm gefallen haben, die er für lebendig hält und von denen er sich vorstellt, daß auch wir sie mit Lust und Liebe lesen werden.

Die beiden Bände sind chronologisch angelegt. Der erste Band ist ganz dem neunzehnten Jahrhundert gewidmet; im zweiten Band sind dann die Romane der Moderne von 1900 bis 1950 zu finden.

Mit den üblichen Schubladen gibt sich Vollmann gar nicht ab. National-Literaturen und stilgeschichtliche Einteilungen spielen für ihn keine Rolle. Er sieht die Romanzeit seit 1800 als ein einziges, grenzenloses Geniereich, in dem sich jeder, der Lust dazu hat, frei und unvoreingenommen bewegen kann.

Übrigens erzählt Vollmann nicht nur, er denkt auch nach. Kleine essayistische Abschweifungen handeln von allen möglichen Themen, die einem passionierten Leser bei seinen Streifzügen durch den Kopf gehen mögen.

Am Ende des Werkes stehen drei Register. Das erste verzeichnet in alphabetischer Folge alle Romanciers mit ihren besprochenen und erwähnten Büchern; dabei ist auch stets der Umfang vermerkt, damit der Leser weiß, was auf ihn zukommt. Ein zweites Register ordnet die Romane nach ihren Erscheinungsjahren; ein drittes stellt die Autoren in der Reihenfolge ihrer Geburtsjahre vor.

Gut die Hälfte der genannten Bücher ist in der einen oder anderen Form im deutschen Buchhandel zu haben; wenigstens ein weiteres Drittel läßt sich mit relativ wenig Mühe in Bibliotheken finden. Nur der kleine Rest ist mehr oder weniger verschollen. Vielleicht greifen sogar die Verleger eines Tages zu den Wunderbaren Falschmünzern und lassen sich dazu hinreißen, solche Bücherwünsche zu erfüllen.

»Man kann dem Mann vertrauen, auch wenn man, wollte man nur ein Fünftel seiner Empfehlungen auch lesen, viel Zeit in Pfreimd bräuchte.« Kurt Kister, Süddeutsche Zeitung vom 04.10.2014

Rolf Vollmann, 1934 geboren, lebt in Tübingen. Sein berühmter biographischer Essay über Jean Paul, Das Tolle neben dem Schönen, stammt aus dem Jahr 1975; er wurde 1996 bei Eichborn wiederaufgelegt; Winter-Wanderschaft, ein Buch über Nietzsche, ist 1978, Die Reise um die Welt, ein Kinderbuch, 1980, Shakespeares Arche, Ein Alphabet von Mord und Schönheit, 1988, und zwar in der Anderen Bibliothek erschienen.

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27,50 EUR
erschienen: 01.1988
Originalausgaben
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