Christoph Ransmayr
Die letzte Welt

Ransmayr, Christoph

Die letzte Welt

Roman. Mit einem Ovidischen Repertoire

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Venezianische Garden legen Phosphorbrände an die Fluchtwege der Katakomben, eine Stimme am Telephon spricht vom Zorn des Imperators,. und Ovid, der unglücklichste Dichter der Antike, tritt zur Eröffnung eines Stadions vor einen Strauß Mikrophone und sagt: Bürger von Rom...
Die letzte Welt, von der hier die Rede ist, hat ihren Ursprung im Feuer. Es ist eigentlich nur ein Zimmerbrand, der die Schreibstube einer römischen Villa verwüstet. Was dieses Feuer unvergeßlich macht, ist der Umstand, daß es von Ovid entfacht wurde; was da brennt, ist sein Hauptwerk, die Metamorphosen, eine grausame Enzyklopädie der antiken Verwandlungsmythen.
Der Dichter verbrennt sein Werk aus Protest, aus Verzweiflung darüber, daß er Rom verlassen muß. Augustus verbannt ihn in die Wildnis der Schwarzmeerküste, in die barbarische Stadt Tomi. Viele Jahre später erreicht das Gerücht von seinem Tod die Residenz.
War es nur eine Abschrift, was in jenem Feuer zu Asche wurde? Oder ist das Original für immer verglüht, und mit ihm die Summe der Mythen? Wird der verbotene und verbannte Dichter, wie üblich, nach seinem Tode rehabilitiert? Wer war der ehrgeizige Römer, der sich aufgemacht hat, um die Wahrheit über den Verbannten zu erforschen, und was hat er an jener barbarischen Küste entdeckt?