Johann Michael Sailer
Die Weisheit auf der Gasse

Sailer, Johann Michael

Die Weisheit auf der Gasse

Oder der Sinn und Geist deutscher Sprichwörter

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Den Deutschen aufs Maul geschaut.
In eine Andere Bibliothek gehören nicht nur verschollene Märchen und Rätsel (dafür hat Claudia Schitteks Irrgarten gesorgt), sondern auch die halbvergessenen Sprichwörter deutscher Zunge. Denn »Schriften, Schulen und Universitäten thun vieles und manchmal mit nicht kleinem Geräusch. Aber es geht, ungesehen und ungeachtet, viel Weisheit und Klugheit im Lande umher, von Mund zu Mund«. Darauf hatte es Sailer abgesehen mit seiner klassischen Sammlung. Er nennt sie»ein Lehrbuch für uns Deutsche, mitunter auch eine Ruhebank für Gelehrte, die von ihren Forschungen ausruhen möchten«.Er kannte natürlich die Tradition, in der sein Buch steht und die sich bis zu den alttestamentarischen Sprüchen Salomonis zurückverfolgen läßt - denen er übrigens den Titel seiner Sammlung entnommen hat. Die Weisheit auf der Gasse nimmt er gegen den Dünkel der »Begriffs-Menschen« in Schutz, indem er rät: »Lege überhaupt kein Sprichwort in die logische Schraube oder dialektische Presse, sondern sieh auf den Accent der Rede«.
Seine Zeitgenossen wußten nicht recht, was sie von Johann Michael Sailer, dem Kirchenmann, halten sollten. War er ein aufgeklärter Katholik? ein Romantiker? ein Illuminat? ein Modernist? ein Mystiker? Diese Zweifel haben dem Sohn eines armen Schusters manche Scherereien eingebracht, bis er endlich im hohen Alter zum Bischof von Regensburg geweiht wurde. Er war ein Genie der Freundschaft und ging vertraut mit Leuten wie Schelling und Brentano um.

Johann Michael Sailer lebte von 1751 bis 1832. Seine Schriften wurden seinerzeit viel gelesen: Die Vernunftlehre für Menschen, wie sie sind (1785), Die Glückseligkeitslehre aus Gründen der Vernunft (1781) und Die Erziehung für Erzieher (1807).