Sanyutei Encho
Die Pfingstrosen-laterne

Sanyutei Encho

Die Pfingstrosenlaterne

Die Pfingstrosenlaterne ist ein noch heute in Japan bekanntes Werk: Die berühmte Gespenstergeschichte aus dem 17. Jahrhundert erzählt, wie zwei Schönheiten aus dem Jenseits einem jungen Mann die Lebensgeister aussaugen.

Die Geschichte von Sanyutei Encho beginnt wie die Populärfassung einer griechischen Tragödie: Der junge Samurai Heitaro gerät auf dem Markt mit einem stadtbekannten Trunkenbold in Streit – und tötet ihn. Aber der Getötete war selbst Samurai, dessen Nachkommen durch ihren Ehrenkodex zur Blutrache verpichtet sind.

Das Erzählen schlägt noch mancherlei Haken. Gespenster treten auf und werden zur Heimsuchung, Liebe und Anzüglichkeiten haben ihren Ort, Schürzenjäger suchen ihr Glück und finden es. Wir lesen eine Erzählung, die übervoll ist an Wendungen und neuen Verwicklungen.

Es ist Unterhaltungsliteratur von Weltrang, der wir lesend statt lauschend folgen können: Der hohe Ton, in dem japanische Vorstellungen von Ehre und Schicksalhaftigkeit zur Sprache kommen, wird gebrochen durch komödiantische Szenen. Schelmisch gerissene Charaktere begegnen dem Ethos der Edelleute mit Bauernschläue. Kein Tod ist bei Encho so tragisch, als dass er nicht neben und eng verbunden mit dem Lächerlichen stehen könnte. Zwischen Wirklichkeit und Phantasie sowie Menschen- und Geisterwelt springt die P­ingstrosenlaterne mit Leichtigkeit hin und her; zwischen Realität und Traum zu unterscheiden, fällt in diesem Bilderbogen nicht leicht. Encho lässt kaum ein Motiv der volkstümlichen Literatur Japans aus und immer wieder wendet er sich kommentierend an seine Zuhörer und an uns Leser.

 

Sie möchten mehr über die Gestaltung dieses Bandes erfahren? Hier gibt Franziska Neubert einen Blick hinter die Kulissen.

 

"Die tempo- und fintenreiche Story bietet ebenso vergnügliche wie gruselige Einblicke in Japans Geistes- und Geisterwelt. (…) Atmosphärisch-suggestive Holzschnitte der Leipziger Grafikerin Franziska Neubert als Bilderbögen aus dem Zwischenreich sowie Martina Schönbeins informatives Nachwort erweitern die Lektüre zum ganzheitlichen Gruselgefühl und Schmökergenuss."  Steffen Gnam, FAZ, 14.11.2019
 

Sanyutei Encho (1839–1900) war einer der populärsten »Rakugoka« seiner Zeit, also Rezitator kurzer, oft humoristischer oder satirischer Geschichten. In Japan sind seine niedergeschriebenen Werke zu Klassikern der Unterhaltungsliteratur geworden, eine achtbändige Ausgabe erschien zuletzt 1975.
 

Die Pfingstrosenlaterne