Die Morgendämmerung der Worte
Moderner Poesie-Atlas der Roma und Sinti

Die Morgendämmerung der Worte

Moderner Poesie-Atlas der Roma und Sinti

Gedichte aus aller Welt versammelt von Wilfried Ihrig und Ulrich Janetzki

Die Lyrik der Roma und Sinti aus aller Welt. Eine Literatur »weit verstreut publiziert und bis heute nahezu unbekannt« — Karl-Markus Gauß

Es ist der Ertrag einer jahrelangen Suche in den Antiquariaten und Bibliotheken Europas, das Ergebnis einer literaturwissenschaftlichen Forschung an den Quellen: Die Poesie der Roma und Sinti, Lovara, Kalderasch, Gitanos, Gypsies, Travellers oder Jenischen. Nie zuvor wurde die Vielfalt einer schwer zu fassenden Literatur so umfassend dargestellt. Die Anthologie nimmt nicht nur jene lyrischen Selbstzeugnisse auf, die in einer der Varianten von Romanes oder Romani verfasst worden sind, sondern auch Gedichte, die aus etwa 20 Sprachen ins Deutsche übertragen wurden, viele davon zum ersten Mal.

Fern von jeder Reisewagen-Folklore und »Zigeuner«-Romantik, aber auch ohne den Versuch, eine Leidensgeschichte zu schreiben, kommen hier die Stimmen unterschiedlichster Poeten zu Wort, die vor allem die Zugehörigkeit zu der größten europäischen Minderheit teilen. Ihre Gedichte erzählen Geschichten von Vertreibung, Ankommen und Melancholie, Sehnsucht und Heimweh, sie erzählen – häufig voller Komik – über die Unwegsamkeiten des Alltags, von den Labyrinthen der Bürokratie, von Ablehnung, Angst und Hass, es sind Verse über die Natur, über Pferde, Sterne und natürlich die Liebe.

Der Band versammelt über 250 Gedichte von rund 100 Autorinnen und Autoren, u.a. von Marianne Rosenberg, Philomena Franz, Dotschy Reinhardt, Charlie Chaplin, Henry Lawson, Samuel Mágó, Ceija Stojka, Ilija Jovanović, Mariella Mehr, Jean-Marie Kerwich, Alexandre Romanes, Károly Bari, Karol Parno Gierliński, Margita Reiznerová, Delia Grigore, Valdemar Kalinin, José Heredia Maya, David Morley, Rajko Djuric und Santino Spinelli.

»Fernab jeder Opferrolle erheben Autorinnen und Autoren ihre Stimme gegen Antiziganismus und lassen den Leser an ihrer Kultur teilhaben. Lassen Sie sich auf diese Reise ein und folgen Sie den Gedichten in eine Welt voller Freude und Trauer, voller Lieder und Sehnsucht nach einem Ankommen. Und es wird Sie vielleicht überraschen, den einen oder anderen Namen unter den Autoren und Autorinnen zu entdecken. Selbst ich war überrascht, als ich las, dass Gheorghe Zamfir, der australische Nationaldichter Henry Lawson und der große Charlie Chaplin einen Sinti oder Roma Hintergrund hatten.« – aus dem Vorwort von Dotschy Reinhardt.

Sie möchten mehr über die Gestaltung dieses Bandes erfahren? Hier erzählt die Gestalterin Jenna Gesse von ihrer Arbeit.

Wilfried Ihrig (geb. 1953) ist Literaturwissenschaftler, Ulrich Janetzki (geb. 1948) ist Herausgeber und Germanist, er leitete bis 2014 das Literarische Colloquium Berlin. In der Anderen Bibliothek erschien von ihnen, gemeinsam mit Thilo Bock, der Band Ick kieke, staune, wundre mir. Berlinerische Gedichte von 1830 bis heute (Band 387, 2017).
 

Die Morgendämmerung der Worte