W.G. Sebald
Die Ausge-wanderten

Sebald, W.G.

Die Ausgewanderten

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»Und manche Nebelflecken löst kein Auge auf.«*Ein stiller, aber beharrlicher Ruhm ist Sebald zugewachsen, seitdem er in der Anderen Bibliothek sein Prosabuch Schwindel. Gefühle. veröffentlicht hat. Im Mittelpunkt dieses unheimlichen und betörenden Berichts stand die Figur eines heillos verstörten Erzählers. Sebalds neues Buch verläßt die autobiographische Perspektive; es besteht aus vier langen Erzählungen, die man auch Romane in nuce nennen könnte. Es sind die Lebens- und Todesgeschichten von vier Auswanderern, deren Wege aus der süddeutschen Provinz hinausführen in die Schweiz, nach Frankreich und England und bis in die fernen Wunderstädte New York und Jerusalem.*Bei Sebalds Suche nach vielfach verwischten Spuren geht es darum, wie aus einer jüdischen eine deutsche Geschichte wird – und umgekehrt. »Verschallen« ist ein deutsches Wort, das seit langem verschollen ist: »Im allgemeinen Gebrauch«, sagt das Wörterbuch, ist es »für einen Menschen, von dem man nichts mehr hört, von dem man nicht weiß, was aus ihm geworden ist«.*W. G. Sebald verfügt über einen siebten Sinn für solche Schicksale, vielleicht, weil er selbst seit vielen Jahren im Ausland und auf Wanderschaft ist: Hier blickt ein Ausgewanderter mit den Augen seiner fernen Helden auf die Heimat zurück. Verluste und Einbußen beginnen je länger, desto schwerer zu wiegen. In den Lebensläufen der Verschwundenen und Vergessenen rumort der Phantomschmerz der Erinnerung.*»So also kehren sie wieder, die Toten. Manchmal nach mehr als sieben Jahrzehnten kommen sie heraus aus dem Eis und liegen am Rand der Moräne, ein Häufchen geschliffener Knochen und ein Paar genagelter Schuhe.« Wer sich davongekommen wähnte, wird von Sebalds Funden eingeholt.

W. G. Sebald, geboren 1944 im Allgäu, lebt in England. Veröffentlichungen: Die Beschreibungen des Unglücks. Salzburg 1985; Nach der Natur. Ein Elementargedicht. Nördlingen 1988; Schwindel. Gefühle. Frankfurt am Main 1990; Unheimliche Heimat. Salzburg 1991.

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erschienen: 00.1995
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