Eduard Engel
Deutsche Stilkunst

Eduard Engel

Deutsche Stilkunst

Zwei Bände im Schuber, mit einem Vorwort von Stefan Stirnemann

Die Andere Bibliothek bevorzugt das Original – wir überlassen anderen die Kopie.


Der Klassiker unter den Büchern zur Stilkritik deutscher Sprache stammt von Ludwig Reiners - 1943 als Deutsche Stilkunst erstmals veröffentlicht, bis heute als Stilkunst im Handel (bzw. als Neuauflage für den Dezember 2016 in Reiners Münchner Hausverlag angekündigt), hunderttausendfach gelesen und viel zitiert. Auf Ludwig Reiners lastet der schwerwiegende Vorwurf des Plagiators. Denn 1911 erschien die Deutsche Stilkunst von Eduard Engel zum ersten Mal: ein Werk, zu dem Reiners' Fassung erstaunliche Parallelen aufweist. Die Gliederung, ein großer Teil der Belege, vor allem aber die Kriterien für guten oder schlechten Stil - all diese Elemente kehren bei Reiners wieder. Engels Korrekturen in späteren Auflagen übersah er, er hatte sich an früheren Fassungen orientiert.
Bis 1931 erschienen 31 Auflagen von Eduard Engels Stilkunst. Nach 1933 wurde Engel jedoch aufgrund seiner jüdischen Herkunft mit einem Publikationsverbot belegt. Er starb einsam und verarmt 1938 und erlebte so den Erfolg seines "Nachfolgers" Ludwig Reiners nicht mehr. Dass der Münchner Kaufmann Engel viel verdankte, war 1943 und kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wohl bekannt, geriet aber, ebenso wie Engel selbst, in den folgenden Jahren in Vergessenheit.

"Ein Buch für Schreibende jeder Art soll dieses sein, kein Leitfaden für Schriftsteller."
Eduard Engel nannte seine Deutsche Stilkunst das "Ergebnis der Erfahrung eines Schreibers, der sich durch mehr als ein Menschenalter um Sprache und Stil bemüht hat." Die Grundfragen von Satzbau und Wortwahl, Ausdruck und Aufbau, Ton, Schönheit und Stilgattungen, die Warnung vor den immer wiederkehrenden Unglücken des Schreibhandwerks und die Mittel, dieses Handwerk zur Meisterschaft zu bringen, behandelt Engel in seinem Werk - wobei die Sprache natürlich einem auch bei Engel unterschätzten Wandel unterliegt und sein damals verbreitetes deutschnationales Denken mitunter auch zum Fremdwort-Furor ausarten kann.                                                                                                                                                       

Den ursprünglichen "Klassiker", das "Original" der Stillehre von Eduard Engel macht die Andere Bibliothek nun wieder in einer zweibändigen Ausgabe zugänglich. Stefan Stirnemann hat sie mit einem kenntnisreichen Vorwort versehen.











 

"Eduard Engel war ein hochgebildeter, nie um ein treffendes Zitat verlegener Autor, den man bis heute mit Gewinn liest. (…) Erst wenn wir ihn wirklich lesen und seinen sorgsamen Sprachgebrauch ernst nehmen, erwacht er wieder zum Leben. Und das hat er wahrlich verdient." Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 4.12.2016

"Wer Eduard Engels Deutsche Stilkunst nur als Lehrbuch oder Nachschlagewerk für den besseren Ausdruck benutzt, hat seine Größe und wahre Absicht nicht verstanden. Es ist das schönste und zugleich genaueste Porträt der deutschen Sprache, das wir besitzen. Von den kleinsten Einheiten, den Wörtern, bis zu Satz, Periode, Rede und Schrift entsteht das Bild einer reichen, geschmeidigen, unterscheidungsstarken, aber auch nicht  ungefährdeten Sprache – und dieses Bildnis ist bezaubernd schön, weil der Autor nicht nur als souveräner Kenner, sondern auch als Liebender schreibt." Gert Ueding, der Freitag, 11.08.2016

"Die Deutsche Stilkunst ist das wichtigste Vermächtnis Eduard Engels. Auf jeder Seite findet der Leser Anregungen, sorgsam und fantasievoll mit der Sprache umzugehen, und spürt, wie sehr Leidenschaft für die Schönheiten der deutschen Sprache die Feder des Autors führte." Holger Böning, Jüdische Allgemeine, 04.08.2016

„Es ist mehr als ein Akt historischer Gerechtigkeit, wenn das Original jetzt in einer sehr schönen Ausgabe wieder vorliegt.“ Jürgen Kaube, Frankfurter Allgemeine Woche, Ausgabe 30/2016

"Eine prächtige Neuausgabe lädt zur Wiederentdeckung." Hermann Unterstöger, Süddeutsche Zeitung, 20.07.2016

"1931 erschien die "Deutsche Stilkunst" in der 31. Auflage. Diese liegt nun einer schön und sorgfältig gemachten Neuausgabe in der "Anderen Bibliothek" zugrunde. Es ist zuallererst eine rund 1000-seitige Einladung zu einem Sprachvergnügen. Aber es ist auch eine Wiedergutmachung. Um nicht zu sagen: eine Restitution." Matthias Heine, DIE WELT, 16.07.2016

"Dieser Tage kann man in der Berliner Verlagsreihe „Die Andere Bibliothek“ in zwei schönen Bänden Eduard Engels „Deutsche Stilkunst“ wiederentdecken. Nach 85 Jahren. Denn Engels einstiges Standardwerk war zuletzt 1931 in der 31. Auflage erschienen, später haben die Nazis den jüdischen Autor verfemt und vergessen gemacht." Peter von Becker, Tagesspiegel, 14.08.2016

"Jetzt hat die Andere Bibliothek Engels »Deutsche Stilkunst« in zwei wunderschön gestalteten Bänden neu herausgegeben. (…) Engel verficht das Ideal eines natürlichen, klaren, eleganten Stils. Und weil er sich an seine eigenen Regeln und Vorbilder hält, erweist sich seine »Stilkunst« als erstaunlich kurzweilig. Die beiden Bände strotzen vor witzigen Anekdoten, abschreckenden Beispielen, launigen Sottisen. Engel ist ein Sprachmeister mit scharfer Zunge, aber ohne Zeigefinger. Und bei aller Leidenschaft ist ihm auch Selbstironie nicht fremd." Olaf Schmidt, Kreuzer, Ausgabe 2-2017

"Dieses neu aufgelegte prächtige Stilbuch gehört in die Bibliothek eines jeden kulturell und sprachlich interessierten und um die Sprache ringenden Zeitgenossen. Sprache berührt uns alle." Alois Grichting, Walliser Bote, 02.09.2016

„Gute Prosa erkennt man - woran gleich? Der heute noch beste Leitfaden ist mehr als ein Jahrhundert alt. Er stammt aus dem Jahr 1911, Verfasser ist der deutsche Indogermanist und Literaturwissenschafter Eduard Engel.“ Edwin Baumgartner, Wiener Zeitung, 18.10.2016

"Eduard Engel (1851–1938) darf als Stammvater der deutschen Stilkunde des 20. Jahrhunderts gelten, wirkungsmächtig bis heute. (…) Nun erfährt Engel die längst fällige Neuausgabe, von Stirnemann mit einem kenntnisreichen Vorwort über den Autor, dessen Werk und beider Schicksal versehen." Daniel Goldstein, Sprachspiegel, Ausgabe 6/2016

"Im Sommer 2016 erschien die »Deutsche Stilkunst« in ansprechender Aufmachung in zwei Bänden. Das Buch ist mit seinen vielen Beispielen, seiner Passion und seiner Detailfreude für einschlägig interessierte Leser sicher auch heute noch eine anregende Lektüre." Anke Sauter, Forschung Frankfurt, Ausgabe 2-2016

"Als hervorragendes Beispiel für bibliophile Gestaltung und in Form und Inhalt sehr großer Wurf unserer Buchkultur fördert es das Wissen derjenigen, die es zu lesen verstehen. Es wird deren Stilempfinden stärken und über ihre Werke in die Breite strahlen. Daß wir für die deutsche Prosa überhaupt eine Stilkunde haben, ist das alleinige Verdienst Eduard Engels, der damit unserer Literatur einen unschätzbaren Dienst erwiesen hat." Alexander Glück, Deutsche Sprachwelt, Ausgabe 66 - Winter 2016/17

Sehr interessante Interviews mit Stefan Stirnemann über die "Deutsche Stilkunst" gab es auf Bayern 2 und auf SRF 2

 

Eduard Engel (1851-1938), ein Deutsche jüdischer Herkunft, war ein hochgebildeter Philologe, Literaturhistoriker, Literaturkritiker, Stilist und Publizist. Seine Tätigkeit blieb allerdings nicht auf die Literatur beschränkt: er befasste sich kurioserweise ebenfalls mit dem Eisenbahnwesen und gilt als der Erfinder der Bahnsteigkarte.
Engels Erfahrung war vielfältig. Als Herausgeber des "Magazins für die Literatur des In- und Auslandes" schrieb er Literaturvermittlungsgeschichte: Er entdeckte Theodor Fontane als Erzähler und förderte Wilhelm Raabe, Detlev von Liliencron, Émile Zola und Edgar Allan Poe. Er veröffentlichte auflagenstarke Literaturgeschichten verschiedener Sprachen. Als Beamter war er mehr als 30 Jahre stellvertretender Vorsteher des Stenographenbüros im Preußischen Abgeordnetenhaus und dann des Reichstags. In dieser Zeit habe er, so schreibt er, Zehntausende langer und kurzer Reden pflichtgemäß auf ihre Form geprüft.

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