Otto A. Böhmer
Der Hammer des Herrn

Böhmer, Otto A.

Der Hammer des Herrn

Roman

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Vom Wahn-Witz der Philosophie.
Ein Nietzsche-Roman? Nein und ja. Jedenfalls eine Geschichte, in der sich zeigt, wieviel Witz im Wahn stecken kann und wie die List der Vernunft umschlägt in eine denkwürdige Heiterkeit der Unvernunft.
Das erste Buch setzt mit dem berühmten Turiner Vorfall vom Januar 1889 ein, mit Nietzsches letzter Flucht, die in die psychiatrischen Anstalten zu Basel und Jena führte. Im zweiten Buch gerät der Philosoph in die hingebungsvolle, aber auch verstörende Obhut seiner Mutter, die 1897 stirbt. Das dritte Buch handelt von Nietzsches letzten Jahren unter der Regentschaft seiner Schwester Elisabeth Förster.
Aber Böhmer erzählt keinen chronologischen Lebenslauf. Den hellsichtigen, manchmal geradezu hellsehenden Patienten suchen alle Gespenster seines Lebens heim: Episoden aus der Kindheit, groteske Kollegen aus der gelehrten Zunft, vor allem aber eine geisterhafte Liebesgeschichte, die kein Ende nehmen will. In immer neuen Schüben kehrt Nietzsche in den Schwarzwald zurück, wo er einst seine »große Genesung« versuchte, und nach Marienbad, wo er fünf Jahre später einen riskanten Neuanfang probte, der ihm nicht nur einige neue, erhebende Gedanken beschert, sondern auch in eine Kriminalaffäre verwickelt hat, die er mit bemerkenswerter Gelassenheit überstand...
Das alles ist, nicht immer, aber oft, wohlverbürgt; doch hier verfällt das »Material« der, feinen und fragwürdigen Ausdeutung durch eine entfesselte literarische Phantasie, die sich nicht einschüchtern läßt, sondern ebenso respektvoll wie dreist ihre eigene, tragikomische Geschichte erzählt.

Otto A. Böhmer, geboren 1949 in Rothenburg ob der Tauber, lebt als Schriftsteller in der Nähe von Frankfurt am Main. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: Holzwege (1991); Zeit des schönen Scheins (1992) und Sternstunden der Philosophie (1993).