Søren Kierkegaard
Der Augenblick

Kierkegaard, Søren

Der Augenblick

Eine Zeitschrift

Aus dem Dänischen von Hans Grössel. Mit einem Essay von Jørgen Bonde Jensen

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Am 24. Mai 1855 erschien in Kopenhagen, damals noch einer recht beschaulichen, biedermeierlichen Stadt, die erste Nummer einer Zeitschrift, die von einem einzigen Mann erdacht, herausgegeben und verfaßt wurde: von Søren Kierkegaard. Von diesem unscheinbaren Heft wurde nur eine Auflage von wenig hundert Exemplaren gedruckt. Es war Kierkegaards letzte und verzweifeltste publizistische Unternehmung. Er starb, bevor er die letzte Nummer zum Druck geben konnte.
Der Augenblick ist eine Abrechnung mit dem organisierten Christentum, die sich bis zu einer unerhörten Schärfe steigert. (In der vorletzten Nummer steht ein Essay zum Beweis dessen, »daß die Priester Menschenfresser sind«.) Aber über die christliche Problematik hinaus wirft Kierkegaards Denken eine Frage auf, die allgemeiner gefaßt werden kann: Was geschieht, wenn man eine Überzeugung, einem Glauben, eine unbedingte Forderung ernst nimmt? In diesem Sinn ist seine Schrift eine rücksichtslose Abrechnung mit jeder Form der Heuchelei.
Der Augenblick, ein unerreichbares Beispiel nadelfeiner und vernichtender Polemik, wurde zum Vorbild der Fackel, die Karl Kraus ein Menschenalter später gegründet hat.

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27,50 EUR
erschienen: 03.2004
Originalausgaben
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