Marie-Lusie Scherer
Der Akkordeon-spieler

Scherer, Marie-Luise

Der Akkordeonspieler

Wahre Geschichten aus vier Jahrzehnten

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Zurückgezogener kann eine berühmte Schriftstellerin nicht leben. Marie-Luise Scherer wohnt unweit der alten Zonengrenze in einem Dorf an der Elbe und schreibt. Sie schreibt wenig. Sie verlangt von jedem ihrer Sätze, dass er wie ein Handschuh sitzt. Ein solcher Anspruch macht aber viel Arbeit, und er ist im Journalismus nicht üblich.
Marie-Luise Scherers Geschichten gehören zum Kernbestand der deutschen Literatur der letzten Jahrzehnte. Leise, aber mit gespannten Sehnen, kommen in ihren Texten die Katastrophen daher, so, dass man als Leser erstaunt, und lacht, und erschrickt.
Die Hundegrenze ist wahrscheinlich der definitive literarische Text über den deutschen Zaun, Der Akkordeonspieler die genaueste Innenansicht der Migration. Mit so enormen Themen kann es nur eine große Erzählerin aufnehmen.
Scherers erste Buchveröffentlichung seit 16 Jahren gleicht einem Zeit-Trichter. Ihr Sog lässt den Leser zurückstürzen in ein kriminelles und glamouröses Paris der achtziger und in ein verschwundenes Westdeutschland der siebziger Jahre, wo er dem RAF-Anwalt Otto Schily ebenso begegnet wie Alice Grün, die sich im Teufelsbruch die Hörner abläuft. Marie-Luise Scherer ist, mit einem Wort, die Historikerin des ungeheuren Alltags.

Geboren 1938 in Saarbrücken, war Marie-Luise Scherer über zwanzig Jahre lang Autorin beim Spiegel, der sich ihre Langsamkeit erlaubte und die meisten ihrer Geschichten druckte. 1988 erschien bei Rowohlt ihr bisher einziges Buch, »Ungeheurer Alltag. Geschichten und Reportagen«. 1994 wurde sie mit dem Börne-Preis ausgezeichnet.