Sigurd Mathiesen
Das unruhige Haus

Mathiesen, Sigurd

Das unruhige Haus

Zehn unheimliche Geschichten

Aus dem Norwegischen von Angelika Grundlach

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Ein Wiedergänger aus dem Norden. Es kommt immer noch vor, dass das Werk eines bemerkenswerten Autoren untergeht und erst nach Jahrzehnten wieder auftaucht. Dieses Los war dem norwegischen Erzähler Sigurd Mathiesen beschieden. Niemand kann sich erklären, warum dieser nordische Nachfolger Edgar Allan Poes, ein Zeitgenosse und Seelenverwandter des jungen Hamsun, ein halbes Jahrhundert lang verschwunden war.
Ein gelehrter Landsmann, der in Deutschland Skandinavistik lehrt, hat ihn vor kurzem wiederentdeckt. Auf einmal gilt er nun in seiner Heimat als Bahnbrecher der Moderne. Tatsächlich mischen sich in seinen Geschichten nietzscheanische und frühexpressionistische Motive mit Erinnerungen an die Tradition des Schauerromans. Nervenkrisen, Alkoholdelirien, sadomasochistische Erfahrungen treiben die Helden um. Schon um das Jahr 1900 sind in diesen Texten Vorahnungen vom Untergang Europas im Ersten Weltkrieg zu spüren. Aber auch abgesehen von solchen Hintergründen lassen sich Erzählungen wie »Die schwarze Woche«, »Der große Brand« oder »Der Blutdienstag« auch ganz einfach als spannende Meisterstücke einer phantastischen Literatur des Nordens lesen.

Sigurd Mathiesen, geboren 1871 in Larvik, Südnorwegen, war wie Knut Hamsun ein unruhiger Mensch, der seine Zuflucht in der Kopenhagener Bohème fand und sich in Amerika als Koch und als Farmer durchschlug. Hans Henny Jahnn hat ihn bewundert, doch in seiner Heimat fristete er bis zu seinem Tode im Jahr 1958 ein obskures Dasein in der Provinz.