Ilja Ehrenburg
Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz

Ilja Ehrenburg

Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz

Aus dem Russischen übersetzt von Waldemar Jollos, versehen mit einem Nachwort von Peter Hamm

Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz ist ein jüdischer Roman und Ilja Ehrenburgs originellstes und persönlichstes Buch – ein wunderbares Tohuwabohu explosiver Phantasie aus dem Jahr 1928. Sprache war der Überlebensstoff des Lasik Roitschwantz, Sprache ist dieses wiederzuentdeckende Buch, ein Höhepunkt im umfangreichen Romanwerk von Ilja Ehrenburg.

Der kleine jüdische Herrenschneider Lasik Roitschwantz wird vom Lehrmeister Hunger durchs Leben, über Grenzen und Sprachen durch Europa gewirbelt. Dieser Antiheld in der Zeit von Revolution und Bürgerkrieg verliert sein Geschäft und seine Heimat, er beginnt seine Odyssee.
Aber ob Königsberg, Frankfurt, Paris oder London, von einer Hoffnung, von einem Traum zum nächsten getrieben, wird der arme Ostjude Roitschwantz zum Anpassungskünstler und Enttarnungsgenie – vor allem aber zum ewigen Verlierer, der, endlich im gelobten Heiligen Land angekommen, an Jom-Kippur, am heiligsten Feiertag des Jahres neben dem Grab von Jakobs Ehefrau Rahel verhungert.

"In diesem barbarischen 20. Jahrhundert waren die Intellektuellen, die sich nicht des Verrats schuldig machten, allzu selten. Der Schriftsteller Ilja Ehrenburg zählte zu ihnen." – Peter Hamm in seinem umfassenden Nachwort.
 

"Roitschwantz ist ein Schelm, ein Picaro, und deutlich lässt Ehrenburg durchscheinen, dass diese Figur in einer jüdisch spanischen Tradition steht." Jakob Hessing, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2016

"Komik wird hier noch den schlimmsten Situationen abgewonnen. Und so erzeugt selbst Lasiks unpassendstes Verhalten eine bitter-heitere Wahrhaftigkeit. Ehrenburg hat mit Lasik die Ahasver-Legende vom wandernden Juden ironisch auf den Stand der 1920er Jahre gebracht. Was danach kam, ist bekannt. (...) Gut, dass man diesen Roman nun in unruhigen Zeiten neu entdecken kann." Ulrich Rüdenauer, Tagesspiegel, 12.07.2016

"Wie sein Anti-Held Lasik Roitschwantz lebte auch Ehrenburg inmitten eines historischen Wirbelsturms. Sein satirisches Talent entfaltet sich in Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz ebenso zündend wie die existenzielle Weisheit des osteuropäischen Judentums. Auch sprachlich stoßen in dem Roman die Welten, die Lasik Roitschwantz durchquert, aufeinander. Jiddische Erzählkunst verbindet sich mit marxistischem Jargon, talmudischem Denken und Fabulierlust." Carsten Hueck, Ö1 - Literaturmagazin Ex Libris, 07.08.2016

"Roitschwantz ist das jüdische Pendant des „kleinen Manns“, er ist „dos kleine Menschele“, der moderne Nachfolger einer archetypischen Figur der jiddischen Literatur. Zugleich trägt er als Eingesperrter, Flüchtender, Umherschweifender die Signatur seines Jahrhunderts. Last but not least ermöglicht Roitschwantz seinem Autor den satirischen Blick auf die moderne Welt." Ulrich Gutmair, taz, 12.07.2016

"Bei aller Naivität erweist sich Lasik als ein kompromissloser Beobachter der Weltlage, die er mit Geist und Witz durch die Wiedergabe unzähliger Legenden und Gleichnisse des ostjüdischen Chassidismus scharfsinnig kommentiert.“ Karlheinz Kasper, neues deutschland, 11.07.2016

"In seinem Roman "Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz" nahm der Sowjetautor Ilja Ehrenburg für die Sache der Juden Partei. Seine endlich wieder greifbare Satire ist ein bewegendes Spiel mit dem Feuer." Ronald Pohl, Der Standard, 13.04.2016

"Regelmäßig erscheinen in der Anderen Bibliothek literarische Kostbarkeiten und Wiederentdeckungen. Dazu zählt auch Ilja Ehrenburgs Schelmen-Roman „Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz“. (…) Es lohnt sich, den satirischen Roman von Ilja Ehrenburg zu lesen, der hier auf raffinierte Weise mit dem Sowjet-System, aber auch mit menschlicher Schwäche abrechnet. Nicht zuletzt handelt es sich um ein Sprachkunstwerk…" Steffen Radlmaier, Nürnberger Zeitung, 27.06.2016

"Der Autor erzählt mit Verve. Die für diese Ausgabe durchgesehene Übersetzung leistet Großes, wenn es darum geht, chassidische Lebensklugheit sprachlich nachvollziehbar ins Deutsche zu übertragen." Markus Jäger, ekz.bibliotheksservice, Ausgabe 2016/23

"Ehrenburgs Parodie des antisemitischen Motivs vom »wandernden ¬Juden«, der heimat- und wurzellos durch die Welt getrieben wird und nirgends heimisch werden kann – weil er von überall verjagt wird –, ist geprägt von Sympathie für die Perspektive des außerhalb der Gesellschaft Stehenden auf die Welt. (...) Beeinflusst von der jiddischen Schtetl-Literatur des 19. Jahrhunderts, die sich meist mit innerjüdischen Fragen beschäftigt hat, konfrontiert Ehrenburg seinen »wandernden ­Juden« mit der großen Welt außerhalb des Schtetls, der er mit Humor und Sarkasmus begegnet." Jonas Engelmann, Jungle World Nr. 33, 18.08.2016

"Die Brutalität dieses realen Irrwitzes fängt Ehrenburgs Sprache auf. Sie ist zugespitzt, wie die Ereignisse sich zuspitzen. Roitschwantz schraubt sich mit talmudischen Gleichnissen und der eiernden Logik in immer neue Höhen der Absurdität – vermischt mit den umständlichen Phrasen des Marxismus-Leninismus erzeugt dies eine berauschende Komik." Sonja Vogel, konkret, Ausgabe September 2016

Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz

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