Czeslaw Milosz
Das Tal der Issa

Miłosz, Czesław

Das Tal der Issa

Aus dem Polnischen von Maryla Reifenberg

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Ein verlorenes Paradies in den litauischen Wäldern. Dieses Buch zeugt von einer untergegangenen Welt. Die Issa ist ein dunkler Fluß an der alten polnisch-litauiscben Grenze. Ihr Tal liegt in einer Urlandschaft, in der noch Bären und Elche, Schlangen und Wölfe leben. Die Außenwelt, heißt es, »verhüllt der Nebel«.

Hier verbringt Thomas Dilbin, der Doppelgänger des Autors, im Herrenbaus seines Großvaters eine ebenso leuchtende wie unheimliche Kindheit. Der nervöse, übersensible Junge erfährt und erleidet seine Éducation sentimentale in einer vormodemen Gesellschaft mit heidnischen Zügen. Man geht auf die Jagd, webt seine Kleider und zieht seine Kerzen selber. Aber die Idylle hat einen doppelten Boden. »Die Besonderheit des Tals liegt in der Zahl seiner Teufel. Sie ist dort größer als anderswo.« Poltergeister, Exzentriker, Selbstmörderinnen und Brandstifter bevölkern die Dörfer, und der Gutsherrschaft droht der Untergang. Entlaufene Soldaten und Hungerflüchtlinge tauchen als Boten des fernen Weltkriegs und der nahen Revolution auf.

Mit dreizehn Jahren wird Thomas aus seinem archaischen Paradies vertrieben. Viele Jahrzehnte später wird sich Milosz im Exil seiner Jugend erinnern, mit einer Tiefenschärfe, die nur einem großen Dichter gegeben ist.

Czesław Miłosz, als Sohn polnischer Eltern in Setainiau im damaligen Litauen geboren, emigrierte 1951 nach Frankreich und lebt seit 1956 in den USA, wo er heute noch in Berkeley lehrt. Berühmt wurde er durch seinen hellsichtigen Essay über den Kommunismus, der unter dem Titel »Verführtes Denken« 1953 auf deutsch erschien. Für seine Gedichte: wurde er 1980 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.