John Gregory Bourke
Das Buch des Unrats

Bourke, John Gregory

Das Buch des Unrats

Mit einem Geleitwort von Sigmund Freud. Aus dem Amerikanischen von Friedrich S. Krauss und Hermann Ihm. Bearbeitet von Louis Kaplan

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Der Unrat in Sitte, Brauch, Glauben und Gewohnheitsrecht der Völker – unter diesem Titel erschien 1913 im Ethnologischen Verlag zu Leipzig die deutsche Fassung einer monumentalen Forschungsarbeit. »Das Meiste und Beste«, schrieb Freud damals, »was wir über die Rolle der Ausscheidungen im Leben der Menschen wissen, ist in dem Buche zusammengetragen. Es ist daher nicht nur ein mutiges, sondern auch ein verdienstvolles Unternehmen, dieses Werk den deutschen Lesern zugänglich zu machen.«
Davon konnte allerdings kaum die Rede sein. »Privatdruck«, lesen wir im Impressum. »Nur für Gelehrte, nicht für den Buchhandel bestimmt. Wer dieses Buch öffentlich ausstellt oder verleiht, setzt sich der Gefahr einer Verfolgung aus.« So streng waren damals die Sitten. Heute, spätestens seit Dominique Laportes Geschichte der Scheiße (1981, deutsch 1991), sehen wir das anders. Schließlich handelt es sich um ein anthropologisches Faktum ersten Ranges.
 

John Gregory Bourke (1843–1896) war ein amerikanischer Kavallerie-Offizier, der im Kampf gegen die Indianer einen Kulturschock erfuhr. Bei einem rituellen Reinigungstanz in New Mexico sah er, wie die Medizinmänner der Nehue-Cue Urin tranken und in Ekstase verfielen. Von diesem Trauma hat er sich nie wieder erholt. Er verbrachte ein Jahrzehnt damit, die skatologischen Riten und Bräuche aller Völker der Erde zu erforschen. Er wurde auf verblüffende und unerhörte Weise fündig.
Aus seinem riesigen Standardwerk präsentiert der amerikanische Wissenschaftler Louis Kaplan eine Auswahl, die alle Stämme mit ihren seltsamen Sitten alphabetisch vorführt von A wie Albanien bis V wie Vatikan. Er erschließt ein Dunkelfeld zwischen Anthropologie, Folklore, Sexualforschung und Psychoanalyse. Sachregister und Literaturverzeichnis sorgen dafür, daß der Gebrauchswert nicht zu kurz kommt. Kaplans abschließender Essay geht den Spuren Bourkes nach und ist selbst Muster fröhlicher Wissenschaft.