Per Højholt
Auricula

Højholt, Per

Auricula

Roman

Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle

Die Hauptpersonen dieses unverschämten Romans sind keine Menschen, sondern auriculae, zu Deutsch: Ohren. Højholt hat die Stirn, zu behaupten, in Europa habe am 7. September 1915 die Zeit stillgestanden, einen Moment lang, zu kurz, dass es jemandem aufgefallen wäre. Die Kinder, die in dieser Zeitlücke gezeugt wurden, kamen neun Monate später nicht allein zur Welt. Mit ihnen erblickten zahlreiche Ohren das Licht, die sich selbständig machten und auf die Wanderschaft begaben. Heimlich durchstreiften sie in kleinen Trupps das zwanzigste Jahrhundert, beobachteten seine Katastrophen und inspirierten seine Kunst und seine Wissenschaft. Überall nisteten sich diese sonderbaren Wesen ein. Sie suchten Kafka und Einstein, Duchamp und Joyce heim und spionierten die gesamte Moderne aus. Der Autor weiht uns in die Biologie, die Psychologie und das Sexualleben der Ohren ein und lässt uns an ihren bizarren Abenteuern teilnehmen. Über seine literarischen Vorgänger lässt er uns nicht im Unklaren; sie heißen Lawrence Sterne, Lewis Carroll und Jorge Luis Borges; seine Chuzpe aber gehört ihm allein. Højholt, das Enfant terrible der dänischen Literatur, erschreckt und amüsiert uns mit seinem Hauptwerk, an dem er zwanzig Jahre lang geschrieben hat.
Auricula ist ein wahnsinnig gewordener Unterhaltungsroman, eine auf den Kopf gestellte Enzyklopädie, ein hysterisch kichernder Essay. Subtil und lüstern, minutiös und rührend, konsequent und munter trotzt dieses Buch allen Regeln der Kunst und schreibt sie neu.

Per Højholt ist angeblich 1928 in Esbjerg geboren. Er soll heute in Silkeborg, einer kleinen Stadt in Jütland, leben. Seine über fünfunddreißig Bücher aufzuzählen fehlt uns der Mut; lassen wir es bewenden mit »Poetens hoved« (1963), »Digte« 1963-1979 (1982) und »Praxis 1-12« (1977-1998). Auf deutsch ist erschienen: »Der Kopf des Poeten. Gedichte« und die CD »Straelen« 1998.