Miklós Szentkuthy
Apropos Casanova

Miklós Szentkuthy

Apropos Casanova

Das Brevier des Heiligen Orpheus

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021 in der Kategorie Übersetzung

Er ist der Solitär der ungarischen Literatur. 60 Jahre arbeitete Miklós Szentkuthy an seinem enormen, uferlosen Werk – auf Deutsch lagen bisher nur wenige Seiten vor. Zu entdecken ist ein literarischer Kosmopolit, ein ungarischer Borges, ein zu jeder Zeit Unzeitgemäßer.

Moderner Mystiker und virtuoser Gedankenjongleur: Mit Apropos Casanova führt Miklós Szentkuthy (1908 –1988) gewitzt ein in seine Gedankenwelt. In der Lektüre der Memoiren Casanovas treibt er sein höchst subjektives Spiel mit der Sprache und der Geschichte. Ob als barocker Liebesabenteurer oder als Pseudo-Abaelard, zerrissen zwischen Scholastik und Héloise – bei seinem Ritt durch die Epochen spricht Szentkuthy mit vielen Stimmen. Sein munterer Assoziationskarneval fügt sich zu einem Stundenbuch über die Liebe und das menschliche Begehren. Bei Erscheinen 1939 durch die Zensur verboten, hat sich das Provokante seiner Prosa bewahrt. Eine ganze Generation ungarischer (Exil-)Literaten kennt Szentkuthys fliegende Metaphern. Endlich können wir den Budapester Solitär auf Deutsch lesen: in einer bestechenden Übersetzung von Timea Tankó.

»Szentkuthys Erzählweise, seine Weltsicht, sein Satzbau und Stil lassen sich selbst heute kaum in einen Kanon einordnen.« – György Dalos in seinem Nachwort.

Hier berichten die Gestalter Elias Hanzer und Lucas Liccini über ihre Arbeit am Buch.

"Außerordentlich gut lesbar dank der Übersetzerin Timea Tanko, die den dahinrollenden Fluten Spitzlichter aufsetzt. Eine elementare Freude am Maskenspiel, ein ungeheures Stilbewusstsein, eine mondäne Bildung machen den Reiz eines bereits zu seiner Zeit und heute erst recht vollkommen anachronistischen Unternehmens aus. Sein Impetus aber ist uns vertraut: von einem archimedischen Punkt aus die Welt neu zu ordnen." Jörg Plath, ORF Ex Libris, 29.11.2020

„Apropos Casanova ist lohnende Herausforderung, Einladung, Kosmogonie.“ Jonis Hartmann, fixpoetry, 18.09.2020

"Wenige Bücher des 20. Jahrhunderts, ach was, der Literaturgeschichte, sprühen derart vor Witz, sind von solchem Überschwang, zeugen von so viel Lust am Denken, Beschreiben, Erzählen, Räsonieren wie sein 1939 in Ungarn erschienenes »Apropos Casanova«." Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung, 22.02.2021

"Ein Feuerwerk sprachlicher und gedanklicher Einfälle, eine Prosa, die mehr an den Essay erinnert als an die Erzählung, (...) ein virtuoses Jonglieren mit Behauptungen, Sinneseindrücken, Bildern oder Ideen von bestechender Heiterkeit." Jan Koneffke, NZZ, 25.02.2021

Miklós Szentkuthy (1908–1988) war der moderne Schriftsteller Ungarns schlechthin. Er übersetzte Dickens, Mark Twain, Swifts Gullivers Reisen und Joyce’ Ulysses ins Ungarische. Einem kennerschaftlichen Publikum ist er dank Übersetzungen ins Französische, Spanische, Englische, Portugiesische, Slowakische und Rumänische bekannt. Kurz vor seinem Tod wurde er 1988 mit dem Kossuth-Preis, der höchsten ungarischen Auszeichnung für Kunst und Kultur, geehrt.

Timéa Tankó, 1978 geboren, hat als Übersetzerin aus dem Französischen und dem Ungarischen unter anderen Andor Endre Gelléri, István Kemény und Antal Szerb ins Deutsche übertragen.

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