Georg Brunold
Afrika gibt es nicht

Brunold, Georg

Afrika gibt es nicht

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Ein polychroner Kontinent
Die großen Medien beschäftigen gewöhnlich einen Berichterstatter, der für ganz Schwarzafrika zuständig ist. Eine unmögliche Aufgabe: fünfundvierzig Staaten, weit über tausend Sprachen, allein in Zaire 450 Ethnien - wer soll einen solchen Kontinent im Auge behalten?
Georg Brunold hat sich rund fünf Jahre in Afrika aufgehalten und berichtet seit 1991 aus Nairobi für die Neue Zürcher Zeitung. Von den 53 Ländern des Kontinents hat er mehr als 45 besucht, zwei Dutzend mehrmals. Er folgt dabei nicht dem Herdentrieb der Fernsehteams, die sich immer dann, wenn ein Ort in die Schlagzeilen gerät, in ein und demselben Flüchtlingslager der UNO oder in derselben Hotelhalle versammeln. Auf endlosen Flügen, mit einem Landrover, in der Eisenbahn, zu Schiff und nicht zuletzt zu Fuß unterwegs, ist er der Mann für den Hintergrund des Geschehens, und bei aller Wärme verliert er nie die kognitive Distanz. »Anders als in einem Bonner Büro«, schreibt er, »beginnt die Arbeit im zairischen Goma oder in Freetown jedesmal am Nullpunkt, und alle Erkenntnisse stehen erst noch bevor«.
»In der nördlichen Hemisphäre gibt es viele Leute, die glauben, in Afrika herrsche ein unerträglich heißes Klima, die Menschen hätten dort die meiste Zeit Hunger, und die Verhältnisse seien von Grund auf kreuzverkehrt. Einen solchen, regelrecht bestialischen Kontinent aber gibt es nicht. Was es dagegen gibt, ist ein grenzenloser Kontinent, der Wunden nicht nur schlägt sondern auch heilt, der seine Millionen von Flüchtlingen nicht nur hervorbringt, sondern auch beherbergt und der über einen in Europa ganz unbekannten Fundus an Toleranz verfügt.«

Georg Brunold, 1953 in Arosa (Graubünden) geboren, hielt sich 1973 bis 1983 in Studium, Forschung und Lehre am Philosophischen Seminar der Universität Zürich auf und pendelte dann als freier Journalist zwischen Kairo, Tanger und der Schweiz. Seit 1991 lebt er in Nairobi.

Publikationen: Sandrosen. Orientalische Reportagen (1987). In der ANDEREN BIBLIOTHEK erschien seine Übersetzung von Mohamed Choukris Buch Das nackte Brot (1986, mit Viktor Kocher) und der Band Nilfieber. Der Wettlauf zu den Quellen (1993).

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