Johann Fischart
Affentheurlich Naupen-geheurliche Geschicht-klitterung

Fischart, Johann

Affentheurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung

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Eine literarische Orgie aus Luthers Deutschland.
Das 20. Jahrhundert war stolz auf seine »innovative«, »avancierte«, »experimentelle« Moderne. Von Schwitters bis Burroughs und von Joyce bis Arno Schmidt galt die Parole: je extremer, rätselhafter, rücksichtsloser, desto besser. Aber das noch nie Dagewesene hat einen ehrwürdigen Stammbaum. Eigenbrötler, Selbstdenker, bizarre Neuerer hat es in der deutschen Literatur immer gegeben. Einer dieser Alten Wilden war Johann Fischart. Seine Geschichtklitterung ist keine Rabelais-Übersetzung, sondern ein entfesselter Karneval der Wörter. Der Text des Gargantua ertrinkt in einer chaotischen Flut von Sprachspielen und Assoziationen. Fischart selbst nannte sein Werk »ein Muster der heute verwirrten ungestalten Welt«, und Jean Paul sah darin einen »goldhaltigen Strom«. Wir Heutigen können mit glatter Stirn behaupten, dass wir hier ein Finnegans Wake aus dem 16. Jahrhundert vor uns haben. Die ganze Geschichtklitterung hätte, samt dem unentbehrlichen Kommentar, einen tausendseitigen Band ergeben. Aber muss man ein solches Meer aussaufen? Schon die Proben, die hier vorgestellt werden, machen den Leser taumeln, und nur die Sorgfalt des Philologen und die Kunst des Typographen machen diesen Riesenschmaus überhaupt genießbar. Die Glossen sind nicht in die Fußnoten oder in den Anhang verbannt, sondern kunstvoll in den Text eingefädelt, und der ganze Band wird, der Lesbarkeit zuliebe, in zwei Farben gedruckt.

Johann Fischart, genannt Mentzer, ist 1546 in Straßburg geboren; er starb um das Jahr 1590, wahrscheinlich in Forbach. Er war hochgebildet, arbeitete als Redakteur und Jurist und hat über achtzig Bücher geschrieben, unter denen die Rabelais-Bearbeitung das aberwitzigste und amüsanteste ist.