Félix Fénéon
1111 wahre Geschichten

Fénéon, Félix

1111 wahre Geschichten

Aus dem Französischen von Hans Thill. Mit einem Essay von Jean Paulhan

antiquarisch suchen

»Die kürzesten Geschichten der Welt.«
Ein Schriftsteller, der sich weigert, die Rolle des Schriftstellers zu spielen; ein »Jahrhundert-Kritiker«, wie Paulhan ihn nannte, der es ablehnt, die Rolle eines Kunstpapstes zu spielen (obwohl er nicht nur Rimbaud und Jarry, Mallarmé und Apollinaire, sondern auch Seurat, Cezanne, Gauguin, Matisse entdeckt hat, als keiner von diesen Künstlern etwas wissen wollte); ein Mensch, der es vorzog, sich sein Leben lang vor der Öffentlichkeit zu verstecken, in obskuren Redaktionen und im Hinterzimmer eines Kunsthändlers - diesen mysteriösen Mann hat der Ruhm erst nach seinem Tode eingeholt.
Sein schönstes literarisches Werk ist anonym erschienen, in den Spalten der Tageszeitung Le Matin, unter der Rubrik »Vermischtes«. Die bescheidene Form der faits divers hat Fénéon zur Kunst erhoben. Die Nachrichten, die ihm auf den Tisch kamen, gerieten ihm zu raffinierten lakonischen Fabeln. Unter der Hand wird dabei die Sachlichkeit zum Hohn auf die Belle Époque: »Zehn Königstreue haben ein imaginäres Attentat der Anarchisten an der Madeleine hinausposaunt und wurden festgenommen.« »In einem Café an der Rue Fontaine tauschten Vautour, Lenoir und Atanis bezüglich ihrer abwesenden Frauen einige Kugeln aus.«
Nach dem Tode Fénéons hat man diese surrealen Prosa-Haikus, über tausend an der Zahl, gesammelt und herausgegeben. In der Geschichte des Journalismus stehen sie bis heute einsam da.

Félix Fénéon, 1861 in Turin als Sohn eines Handlungsreisenden geboren, galt im Paris der 80er Jahre als Anarchist. Nach 1906 hat er so gut wie nichts mehr publiziert. Er starb, vollkommen vergessen, 1944 in der französischen Provinz.