Decour, Jacques

Philisterburg

Übersetzt aus dem Französischen und mit einem Vorwort versehen von Stefan Ripplinger


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Ein Franzose 1930 in Magdeburg: Das vorurteilslose, scharfsinnige, komische und tragische Porträt eines Landes vor dem Untergang. Sein Autor Jacques Decour: in Deutschland unbekannt – in Frankreich ebenso.

Diese Geschichte kann sich keiner ausdenken – ein junger, wacher Franzose kommt als Austauschlehrer in die preußische Stadt, findet die Autoritäten ziemlich lächerlich aber den Nazi von nebenan ziemlich interessant. Und doch erkennt der junge Mann, was kommt, was kommen muss.

»Entschlossen, alles, was ihm begegnet, ganz sachlich zu beobachten, meidet er die Vorurteile, die sich gewöhnlich in die Betrachtung des deutschen Lebens mischen. Er hütet sich davor, wie ein Tourist auf seinem Weg immer bloß das vorfinden zu wollen, was er sich vor der Abreise vorgestellt hat.« (Louis Aragon)

Der junge Mann nennt sich Jacques Decour und die Erzählung, in der er aus Magdeburg berichtet, nennt er Philisterburg. Er schreibt über Deutschland, wie einer, der das Land noch nicht kennt, aber doch dessen Literatur, ihren »Humanismus«, liebt und immer lieben wird. Er ist offen, subjektiv, leidenschaftlich und doch nicht festgelegt oder einseitig. Der in Tagebuchform geschriebene Text entwickelt Gedanken, unterzieht sie scharfer Kritik, verwirft oder verbessert sie, rekapituliert, resümiert: Philisterburg zeigt die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben.

Dank seiner Unbestechlichkeit erkennt Jacques Decour, wie groß die Gefahr ist, die sich zusammenbraut. Es ist diese schonungslose Wahrheitstreue, die bei Erscheinen der Erzählung 1932 in Frankreich wütende Abwehr hervorruft. Nur ein Jahr später sind seine Kritiker widerlegt, aber dann ist von diesem Buch auch schon keine Rede mehr.

»... ein aufregendes Porträt Deutschlands vor dessen Sturz in den Abgrund.« Berliner Zeitung vom 31.01./01.02.2015

»Seine Beobachtungen sind teils leidenschaftlich-bewegend, teils ironisch ... ein literarisches Kleinod, kurzweilig, ja mitreißend.« Franziska Augstein, Süddeutsche Zeitung vom 19.07.2014

»Nach über achtzig Jahren liegen Decours hellsichtige Beobachtungen nun erstmals auf Deutsch vor.« Hedwig Kaster-Bieker, Frankfurter Neue Presse vom 07.07.2014

»Eine brillante Zustandsbeschreibung des damaligen Deutschland ... in mehrfacher Hinsicht ein kleines Meisterwerk.« Behrang Samsami, literaturkritik.de, 17.06.2014

»Wie sinnfällig und klug Decour Stadt, Land und Menschen schildert, zeigt ein Können, das Staunen macht ... Man liest ihn mit Bewunderung, so wie dieses schöne, erhellende, rundum einzigartige Buch.« Christian Eger, Mitteldeutsche Zeitung vom 04.06.2014

»Decour war ein hellwacher Beobachter, der sich kein X für ein U vormachen ließ, und starb 1942, wie er gelebt hatte: als Märtyrer der Résistance ...« Hans Christoph Buch, Die Zeit vom 28.05.2014

»Ein erstaunlich klares und lebhaftes Bild einer Welt, die direkt auf den Untergang zusteuerte.« Tobias Lehmkuhl, WDR5 Bücher, 24.05.2014

»Mit feinen Sensoren registriert der junge Franzose die Stimmung in den diversen deutschen Milieus und Altersgruppen.« Uli Hufen, WDR3 Gutenbergs Welt, 18.05.2014

»Decour gelingen in seiner tagebuchartigen, teils komischen, teils tieftraurigen Prosa genaue Beobachtungen, wobei das Erinnerte eben nicht achtlos hingekritzelt, sondern detailliert und anschaulich wiedergegeben wird.« Thomas Blum, Neues Deutschland vom 23.05.2014

»Seit kurzem wird er in Frankreich wiederentdeckt. Jetzt ist dazu auch in Deutschland Gelegenheit.« Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung vom 10.05.2014

»Die in Frankreich bereits 1932 erschienene Erzählung ist jetzt wiederentdeckt worden und nicht nur für Magdeburger unbedingt lesenswert.« Wolfram Wahle, Magdeburger Volksstimme vom 15.04.2014

»Bemerkenswert sind diese 1932 in Frankreich veröffentlichten Aufzeichnungen, weil in ihnen Charaktere geschildert werden, die es zumindest in dieser Häufung nach 1945 nicht mehr gab ... Abgedruckt ist in dieser lobenswerten Ausgabe auch Decours Abschiedsbrief an die Eltern.« Tobias Lehmkuhl, Literaturen Cicero, Frühjahr 2014

»In seinem Tagebuch porträtiert er Lehrer und Schüler, Militärs und Zivilisten, Bürger und Proleten der Elbestadt und formt es zu einem faszinierenden Bild einer deutschen Kommune kurz vor Machtergreifung der Nationalsozialisten.« Magdeburger Volksstimme vom 08.04.2014

»Das macht die Lektüre aus heutiger Sicht so aufregend, das Buch zu einer echten Entdeckung. ... Decour hat die Gabe, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und sie gleichzeitig in Frage zu stellen. Das macht die Lektüre in keinem Moment langweilig. Eine echte Entdeckung ... « Der Freitag vom 20.03.2014

»Ich finde es sehr interessant, weil er diese Geschichte nicht von heute aus erzählt, sondern wirklich aus dieser Zeit heraus und da gibt es, glaube ich, nicht so viele Dokumente, die von jemandem geschrieben worden sind, der eben nicht aus Deutschland war.« Annett Gröschner, Radio Eins Literaturagenten vom 02.03.2014

Jacques Decour (1910–1942) hieß mit bürgerlichem Namen Daniel Decourdemanche und stammte aus Paris, studierte Deutsch, übersetzte – und arbeitete als Lehrer ein Jahr lang in Magdeburg, bevor er in Paris unterrichtete. Er ist zusammen mit Jean Paulhan 1942 Begründer der berühmten Résistance-Zeitschrift Les Lettres francaises im besetzten Frankreich. Im gleichen Jahr wird er von der französischen Polizei an die Gestapo ausgeliefert, gefoltert und erschossen. Sein Abschiedsbrief ist ein berührendes Dokument.

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erschienen: 06.2013
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