Görg, Patricia

Glas

Eine Kunst


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Glas – ein Stoff, zerbrechlich wie das Leben, eine lichte Materie – höchste Kunst, ihn zu formen und über ihn zu schreiben. Dazu braucht es die Präzision der poetischen Prosa einer Patricia Görg. Eine Kunst – wie geschaffen für die neuen Kometen der Anderen Bibliothek.

Ihre Schreibkunst ist auf Tatsachen gebaut: Johann Kunckel war Alchemist während des Barock. Anders als viele seiner Zeitgenossen zwischen Scharlatanerie und Naturforschung widmete er sich nicht der Dunkelmänner-Magie des Goldmachens, um die Staatskasse herrschaftlicher Gönner zu sanieren. Sein Auftrag, als Geheimer Kammerdiener des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm lautete: Mache Kristallglas. Dessen Rezeptur war sein gut-gehütetes Geheimnis. Auf der heutigen Pfaueninsel vor Potsdam betrieb Kunckel sein Laboratorium – ein Ort zwischen Kunst und Handwerk. Von der Verwandlung der verlockenden Stoffe wusste er viel. Der Große Kurfürst flüchtete oft aus der höfischen Umgebung und besuchte Johann Kunckel, um mit ihm zu experimentieren. Die Alchemisteninsel ist wie eine Außenstelle der fürstlichen Kunstkammern. Aber auch die Kurfürstin Dorothea hat Wünsche: Neben dem Prunk von Goldrubinglas auf ihrem Nachttisch erhofft sie sich von Kunckels Kunst ein Mittel zur Verjüngung. Mit dem Tod von Friedrich Wilhelm 1688 geht der Traum des Alchemisten und Forschers buchstäblich in Flammen auf.

Träumen, forschen, erfinden und entdecken – kristallin, konzentriert und stilsicher ist das Schreiben von Patricia Görg über die Doppelnatur der Dinge, die sind und nicht sind, zwischen Dinglichkeit und Leere, über das Streben nach Perfektion, die Leere der Macht, die Wünsche der Kunst – und das Scheitern.

»Görg porträtiert diesen Geheimen Kammerdiener und Künstler in dichter, poetischer Sprache.« Jochen Schimmang, taz vom 13.02.2014

»'Glas - Eine Kunst' heißt Patricia Görgs neues Buch, wobei 'Eine Kunst' sowohl als Gattungsbezeichnung wie gleichsam als Inhaltsangabe gelesen werden kann. Denn was hier auf 116 Seiten in teils betörenden Bildern vorliegt, ist ein Lehrstück über das Verhältnis von Kunst und Macht ... und es ist eine nahezu klassische Künstlernovelle ... Das ließe sich fast als eine Parabel auf Görgs eigene Kunst lesen, die ihrerseits so weit wie nur denkbar vom herrschenden Neonaturalismus der neueren deutschen Literatur entfernt ist. Diese Autorin arbeitet seit ihrem Debüt an einem singulären Werk.« Jochen Schimmang, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.12.2013

»Patricia Görg schafft es, uns diese sehr ferne Zeit, von der nicht allzu viele Zeugnisse geblieben sind, wirklich nahe zu bringen. Sie hält sich an das durch Dokumente belegte, fabuliert aber auf anregende Weise weit darüber hinaus.« Frank Starke, Märkische Allgemeine Zeitung vom 16.11.2013

»Der Leser kann durchaus etwas lernen, vor allem aber wird er gebannt vom Zauber einer klug komponierten, bilderreichen Prosa. Schon in ihrer Erzählung Glücksspagat (2000) demonstrierte Patricia Görg eine unglaubliche Meisterschaft in der Bildbeschreibung, der Verlebendigung des Gemalten, Gesehenen, des Sehens. Auch in Glas spielen Bilder eine große Rolle: ... Einem Ballett gleicht die vorgetäuschte Betriebsamkeit, wenn der Späher das Boot des Kurfürsten erblickt hat, der gern zur Pfaueninsel herüber fuhr. ... So vertraut, so natürlich schien lange keine künstliche Welt mehr. ... Das Erzählfeuerwerk über der Pfaueninsel schärft den Beziehungssinn, entfacht die Einbildungskraft und unterhält obendrein vortrefflich.« Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung vom 19.10.2013

Patricia Görg, Jahrgang 1960, lebt seit 1979 in Berlin. Bekannt und vielfach ausgezeichnet, erschienen von ihr: Glücksspagat. Erzählung (2000), Meer der Ruhe. Ein Abenteuerbuch (2003), Tote Bekannte. Zeitgeschichten (2005), Meier mit Y. Ein Jahreslauf (2008) und Handbuch der Erfolglosen (2012).

Glas