Ernst Dronke

BERLIN

Mit Ernst Dronke schauen wir auf Berlin – und zugleich auf eine ganze Epoche der Krise, auf das Europa im Vormärz kurz vor der Revolution von 1848/49. Als Journalist und »Junghegelianer« in den 1840er-Jahren hat sich der Koblenzer Gelehrtensohn mitten hineingeworfen in die Widersprüche und Spannungen einer Metropole zwischen preußischem Militarismus und Berliner Schnauze, zwischen einem allgegenwärtigen Beamten- und Polizeiapparat und dem Elend ganzer Bevölkerungsschichten.

"Geschichte ist schließlich dazu da, dass man aus ihr lernt. Ernst Dronkes Buch gibt dazu einen guten Anstoß. Der Anderen Bibliothek ist dafür zu danken, dass sie dieses wichtige Dokument aus der Vergessenheit zu befreien versucht. Der Band ist überaus aufwändig gedruckt und gestaltet und daher seinen hohen Preis wert. Zahlreiche zeitgenössische Illustrationen veranschaulichen und kontextualisieren zudem Dronkes Argumentation in sinnfälliger Weise. Dieses Buch ist eine empfehlenswerte Anschaffung." Enno Stahl, Deutschlandfunk, 19.12.2019

"Dronkes Berlin-Buch ist (…) ein Text, der das ernste Bestreben verfolgte, zur Erkenntnis der Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Verhältnisse in der preußischen Residenzstadt beizutragen. Mit analytischem Verstand und nicht immer sanftem Spott kritisiert Dronke König und Regierung, widmet sich künstlerischen und pädagogischen Zuständen, hinterfragt Sitten und Moral, beklagt Zensur und Polizeiwillkür." Marc Lippuner, mein/4 Stadtmagazin, November - Dezember 2019.

"Zwei Jahre Festungshaft wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung des Berliner Polizeipräsidenten und Kritik an den Landesgesetzen kassierte Ernst Andreas Dominicus Dronke (1822–1891) aus Koblenz für die Publikation von Berlin, seiner großen Sozialreportage, die 1846 bei der Literarischen Anstalt J. Rütten in Frankfurt am Main in zwei Bänden erschien. Gewidmet war das – später fast sagenumwobene – Werk dem Revolutionär Georg Herwegh, jetzt liegt es in einer Prachtausgabe als Folioband der Anderen Bibliothek vor, sein Papier (130g Schleipen Fly 02) so handschmeichelnd, dass man süchtig werden könnte. (…)

Das Verdienst dieses Buches äußert sich noch einmal sinnfällig im Nachwort „Bilderloses Elend“ von Ron Mieczkowski, der über die Schwierigkeiten schreibt, es zu illustrieren – zwar enthält die Folio-Ausgabe 85 zeitgenössische Bildwerke, aber, so Mieczkowski, Dronkes Analyse des Armenmilieus, seine Beschreibungen des Geschirrs aus den Armenküchen haben keine Entsprechung in Malerei und Druckgrafik seiner Zeit. Seine Erzählungen müssen für sich selber stehen." Alf Mayer, culturmag.de, 03.11.2019

 

 

Ernst Dronke (geb. 1822 in Koblenz; gestorben 1891 in Liverpool) entstammte einer Koblenzer Intellektuellenfamilie. Den vorgezeichneten Weg einer Gelehrtenlaufbahn verließ er, als er im Zuge einer Fahndung nach »geheimen politischen Tendenzen« 1842 zuerst von der Bonner Universität relegiert wurde und an seiner neuen Alma Mater in Marburg unter den Einfluss seiner Professoren und der »Rheinischen Zeitung« von Karl Marx geriet und dort zum »Junghegelianer« wurde. In Berlin, wo er sich promovieren wollte, entstanden während eines anderthalbjährigen Aufenthalts die Notizen, die er wenig später – bereits der Stadt verwiesen und durch den Entzug des Bürgerrechts von Kurhessen und Preußen zum Staatenlosen geworden – zu seinem Berlin-Buch verarbeiten sollte. Nach der Flucht aus der Festungshaft wurde Dronke zu einer der zentralen Figuren der »Neuen Rheinischen Zeitung« um Karl Marx und Friedrich Engels. Er starb in der Emigration.

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