Georg Forster

Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Juni 1790

Mit einem Vorwort von Jürgen Goldstein

Georg Forster unternahm im Frühjahr 1790, begleitet (!) vom noch jungen Alexander von Humboldt, eine Reise, die ihn vom Rheingau nach Ehrenbreitstein, Köln, Düsseldorf über Aachen u. a. nach Lüttich und Brüssel, in die Niederlande nach England und schließlich nach Paris führte. In seinem dreibändig erschienenen Werk hat er seine Beobachtungen festgehalten. Ansichten vom Niederrhein stand lange im Schatten seiner epochalen Voyage Round The World, der Reise um die Welt, die er als erst zwanzigjähriger Begleiter der zweiten Weltumsegelung von Captain Cook 1775/1776 verfasst hatte. Doch dieselbe Stilsicherheit, dieselbe Beobachtungsgabe kommen auch in den Ansichten von Niederrhein zum Tragen – geschärft um die Erfahrung in Forschung, Lehre und politischem Engagement, die sich Georg Forster in den 15 Jahren, die zwischen beiden Reisebüchern liegen, erworben hat.

Anders als noch auf der Cook-Expedition, war das Hauptanliegen Forsters nicht botanisch präzise und zoologisch exakte Beschreibungen noch unbekannter Arten von Tieren und Pflanzen. Seine Meisterschaft liegt neben der Beschreibung der vertrauten Landschaft nordeuropäischer Niederungen und der Landessitten der Bevölkerung in der bestechenden Beobachtung des ökonomischen Zustands und der vergleichenden Betrachtung der politischen Verfasstheit der bereisten Staaten. Richtungsweisend war Forsters Bericht auch in ästhetischer Hinsicht: Mit der Vielzahl präziser und brillant geschriebener Beschreibungen von Architektur und vor allem Kunst hat er der noch jungen Disziplin der Kunstgeschichte in ihren Anfängen geholfen und ihr sogleich das Vorbild eines mustergültigen Stils mitgegeben.

„Mehr hat man doch nicht, als was einem durch diese zwei Oeffnungen der Pupille fällt und die Schwingungen des Gehirns erregt. Anders als so nehmen wir die Welt und ihr Wesen nicht auf.“ – Georg Forster

"Dieser Scharfblick und Scharfsinn, der umsichtige Perspektivismus und die Einordnung von Einzelheiten in die Kultur- und Menschheitsgeschichte, die schon die „Reise um die Welt“ prägen, lassen die „Ansichten vom Niederrhein“ zu einer faszinierenden Lektüre werden.“ Alexander Kosenina, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2016

"Sein grandioser Reisebericht ist das Europabuch eines genauen Beobachters der politischen Verhältnisse." Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung, 15.2.2017

"Ein schlichter Titel, ein Werk, das nicht immer einfach zu lesen ist, kein spektakulärer Expeditionsbericht wie die Weltenfahrt mit Käpt’n Cook – und doch in der Mischung aus politischer Reportage und Reflexion, Naturbetrachtung und Kunstkritik nicht minder ein Jahrhundertbuch. (...) Die Ansichten vom Niederrhein bleiben, zusammen mit seinen letzten Betrachtungen aus Paris, sein politisches Vermächtnis. Aktueller waren sie nie." Benedikt Erenz, DIE ZEIT, 01.12.2016

"Er war ein namhafter Aufklärer mit hellem Verstand und offenen Sinnen, der sich für Gesellschaft und Politik ebenso interessierte wir für Urbanistik, Architektur und Kunst. (...) Dieser Band macht sich nicht nur prächtig auf jedem Salontisch - man kann und soll ihn eifrig lesen." Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 30.10.2016

"Die prachtvolle, reich illustrierte Neuausgabe seiner "Ansichten" ermöglicht nun eine ebenso aufregende wie facettenreiche Zeitreise in die Ära der neuen Freiheit, mit vielen Beobachtungen und Reflexionen: zu Kunst, Wissenschaft, Ökonomie, Kultur, Politik – ja sogar zum "Kopfputz" junger Holländerinnen…" Oliver Pfohlmann, WDR 3 – Mosaik, 27.10.2016

"Die „Ansichten vom Niederrhein“ sind in einem lockeren, auch heute noch leicht lesbaren Plauderton geschrieben – und in Briefform. Neben Gedanken über Geschichte, Architektur, vereinzelt auch Literatur und Theater verdeutlichen breite Ausführungen über die Bildende Kunst, vor allem über die alten niederländischen und flämischen Meister, ihre überragende Bedeutung in jener Epoche. Doch es geht Forster um viel mehr als Plaudereien über Kultur und Landschaft. (...) Es handelt sich um ein herausragendes Zeugnis politischer Aufklärung." Tobias Schwartz, Tagesspiegel, 25.10.2016

"Der Bericht von Forsters "Reise um die Welt" war zu berühmt, um ganz vergessen zu werden, doch für den Freiheitskämpfer Forster hatte man in Deutschland lange keine Verwendung. (...) Heute spielen solche Ressentiments zum Glück keine Rolle mehr, und so kann Georg Forster endlich jenen Platz einnehmen, der ihm von Rechts wegen gebührt: Den eines Klassikers der deutschen Literatur, der sich zeitlebens für Freiheit und Aufklärung eingesetzt hat. Forsters so herrlich unscheinbar betitelte "Ansichten vom Niederrhein" sind dafür der schönste Beweis." Uli Hufen, WDR 5 - Scala, 18.10.2016

"Forster gelingt es, über den Genuss der Lektüre mit starken Bildern und intelligenten Kommentaren wie nebenbei die Gedanken von Gerechtigkeit und Demokratie zu vermitteln. Und zwar so zeitlos, dass es noch heute eine Freude ist, die „Ansichten vom Niederrhein“ zu lesen." Fokke Joel, neues deutschland, 18.10.2016

"Hinter dem wohl mit Absicht harmlos gewählten Titel und eingekleidet in Reisebeschreibungen mit Betrachtungen von Architektur und Kunst verbergen sich Gedanken von revolutionärer Sprengkraft. Ein prächtiger Band in ansprechender Aufmachung und mit vielen farbigen Abbildungen.“ Angela Gutzeit, Deutschlandfunk, 19.12.2016

"Er war bereits Professor, dazu Freimaurer und Jakobiner, als er 1790 für drei Monate auf eine weitere, bislang wenig beachtete Reise ging, die in seinen "Ansichten vom Niederrhein" verewigt ist. Bislang gab es diesen Bericht auf Deutsch nur als unscheinbares Taschenbuch. Jetzt hat "Die andere Bibliothek" ihn so herausgebracht, wie Forster es sich wohl gewünscht hätte: in Großformat, in hochästhetischem Druck und wunderbar illustriert mit zeitgenössischen Gemälden." Bertram Müller, Rheinische Post, 3.1.2017



 

Georg Forster (1754-1794), wurde als Verfasser der Voyage Round The World (Reise um die Welt), dem Reisebericht, den er als Begleiter der zweiten Cook-Expedition angefertigt hat, berühmt. Als Ethnologe, Naturforscher, Schriftsteller und schließlich auch Protagonist der Aufklärung und Revolution machte er sich einen Namen und erwarb sich die Anerkennung seiner Zeitgenossen. Er war Vorbild für Alexander von Humboldts, der ihm in seinen Forschungsreisen nacheiferte, und prägte einen akademischen Stil, der weit entfernt ist vom „bräsigen deutschen Gelehrtenstil“ (Frank Vorpahl im Nachwort zu Reise um die Welt), Goethe bewunderte Sprache und Erkenntnisschärfe des jungen Schriftstellers, der bereits im Alter von 13 Jahren als Autor und Übersetzer in Erscheinung trat.

Jürgen Goldstein erhielt für seine glänzende Biografie Georg Forsters den Preis der Leipziger Buchmesse 2016 in der Sparte Sachbuch.

Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Juni 1790