Boehncke, Sarkowicz, Seng
Monsieur Göthé

Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz, Joachim Seng

Monsieur Göthé

Goethes unbekannter Großvater

Der weiße Fleck im Stammbaum: Von Göthé zu Goethe.

Friedrich Georg Göthé - kaum einer kennt ihn. Er war elegant, mehrsprachig, gebildet und vor allem reich. Eine Art Karl Lagerfeld von Frankfurt. Ohne ihn hätte die Karriere des Johann Wolfgang von Goethe kaum stattgefunden. Aber der berühmte Enkel verbannte den Großvater, den »verdammten Schneider« und Hotelier, aus der Familiengeschichte und verdrängt in Dichtung und Wahrheit sogar den Namen. Ein weißer Fleck im Stammbaum – bis heute.

Monsieur Göthé erzählt eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte aus dem 17./18. Jahrhundert und beschreibt ein Stück Kultur- und Sozialgeschichte: Der Sohn eines Hufschmieds aus dem thüringischen Dorf Kannawurf geht als Schneidergeselle nach mehrjähriger Wanderschaft ins Mekka der Mode, nach Frankreich, wird Seidenschneider in Lyon und kommt 1686 als protestantischer Glaubensflüchtling nach Frankfurt, wo er zu einem reichen und angesehenen Bürger wird. Ein Damenschneider à la mode, der die französisch akzentuierte Schreibweise seines Namens – Göthé – als Ausweis seines Raffinements beibehält. Er heiratet, beliefert auch die Höfe im Reich und führt später den »Weidenhof«, eine der ersten Hotel-Adressen der Freien Reichsstadt. Der Sohn dieses Aufsteigers wird Doktor beider Rechte, Wirklicher Kaiserlicher Rat und heiratet die Tochter des ersten Bürgers der Stadt. Als Johann Wolfgang geboren wird, ist der Großvater Göthé fast schon vergessen.

"Was für eine Geschichte hätte der Enkel aus diesem Material formen können! Aber Goethe verzichtete. (…) Erzählenswert aber ist die Geschichte bis heute geblieben. Sowohl die, wie man um 1700 als Selfmademan lebt, als auch die, wie man nach 1800 als Dichter sein Leben neu zuschneidert."
Florian Balke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.09.2017

"All das blättert ein herrliches, mit Fakten und Anschauung prall gefülltes Geschichtsbuch auf, das als Biographie Göthés, des Großvaters, daherkommt, aber viel mehr ist: Geschichte des Goetheschen Familienvermögens, des Schneiderhandwerks im Alten Reich, der Handels – und Modebeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland, der Verfassung Frankfurts ..."
Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung, 23.10.2017

"Monsieur Göthé ragt aus den zahllosen Neuerscheinungen dieses Bücherherbstes zur Geschichte heraus, denn es ist zum einen wunderbar gestaltet (…). Zum zweiten aber entfalten die Autoren ein sehr spannendes und anschauliches Zeitpanorama des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Nicht nur die freie Reichsstadt Frankfurt wird hier wieder lebendig, zu erfahren ist sehr viel über den Alltag in Deutschland damals, über das Handwerk, die Rolle der Frau um 1700, über Armut, großen Wohlstand und vieles andere mehr."
Claus-Jürgen Göpfert, Frankfurter Rundschau 19.09.2017

"Natürlich greifen die drei Autoren auf Forschungsergebnisse zurück, die sie aber mit einer ganzen Reihe von Fundstücken aus teils entlegenen Quellen ergänzen. (...) Ausgezeichnet sind jene Passagen dieser Biographie, die den Hintergrund ausleuchten, vor dem sich das Leben Friedrich Georg Göthés tatsächlich oder mutmaßlich abspielte."
Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2017

"Weil Goethe selbst ihm keine Bedeutung eingeräumt hat, ist Friedrich Georg Goethe auch vom Rest der Welt vergessen worden. 1899 gab es mal einen Aufsatz über ihn, aber das neue 400-Seiten-Buch in der 'Anderen Bibliothek' ist die erste umfassende Studie und zugleich ein Stück spannender Kulturgeschichte. Es gibt viele Illustrationen, Stadtansichten und Landkarten."
Ulrike Sárkány, NDR Kultur, 12.10.2017

"... ein spannendes Geschichts-, mehr aber noch ein Geschichtenbuch."
Torsten Unger, MDR Thüringen - Kultursendung Marlene, 08.10.2017

"... ein farbiges und schön illustriertes Buch zur europäischen Kulturgeschichte um 1700 ... "
Eckart Goebel, WELT, 27.08.2017

"Mit detektivischem Spürsinn ist das Trio noch den flüchtigsten Spuren gefolgt, ist hierhin und dahin gereist, in die thüringische Provinz und nach Frankreich, hat Kirchenbücher gewälzt und Berge von Literatur gesichtet, froh über jeden Hinweis, der weiterhalf, jeden Eintrag, der sich irgendwo erhalten hat, und mit Finderglück und der Hilfe vieler Zeitgenossen sind sie diesem Friedrich Georg Göthé auf ihren Ausflügen in die Geschichte tatsächlich immer näher gekommen. Und erzählen nun, wer dieser Mann war und wie sie ihn fanden. Es ist ein starkes, fesselndes Buch geworden."
Klaus Bellin, neues deutschland, 28.08.2017

„Es bereitet allein schon ein besonderes Vergnügen, dieses Buch nur durchzublättern. Weit über sechzig auf leuchtend rotem Untergrund gedruckte Abbildungen von Gemälden, Stadtansichten oder Handschriftenfaksimiles aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert finden sich darin. (…) Den Autoren kann man zu diesem Literaturkrimi nur gratulieren, dem Verlag für die schöne Präsentation ausdrücklich danken und dem Leser äußerst vergnügliche und lehrreiche Stunden mit "Monsieur Göthé" vorhersagen.“
Martin Grzimek, SWR2 Lesenswert Magazin, 10.12.2017

"Wenn die Quellenlage so schlecht ist wie in diesem Fall, bekommen auch kleine Hinweise großes Gewicht. Aber Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz und Joachim Seng sind klug genug, sie mit der gebotenen Vorsicht zu präsentieren. (...) Trotzdem ist es erstaunlich, welche Fakten sie aufgespürt haben, wohlsortiert präsentieren und so gewissenhaft kulturhistorisch unterfüttern, dass trotz aller Lücken ein plastisches Lebensbild entsteht. Das macht die interessante und oftmals überraschende Lektüre zusätzlich sehr unterhaltsam."
Johannes Breckner, Echo, 25.08.2017

"Sie (die Autoren) haben über "Monsieur Göthé" in ihrem vergnüglichen Buch, das gerade in der renommierten "Anderen Bibliothek" erschienen ist, Erstaunliches zutage gefördert."
Thomas Maier, dpa, 15.09.2017

"Ein wunderbarer Einband, ein ausgewogener Satzspiegel auf edlem Papier, eine wohlüberlegte Farbgestaltung. Es ist einfach ein traumschönes Buch geworden. Da kann kein E-Book mithalten. Spektakulär weil so unerwartet aber vor allem natürlich der Inhalt. Denn Goethes Großvater väterlicherseits war derart dem Vergessen anheimgegeben, dass es dreier leidenschaftlicher und findiger Literaturarchäologen – anders kann man Boehncke, Sarkowicz und Seng nicht nennen – bedurfte, um ihn ans Tageslicht zu zerren. Zwei Jahre lang gruben sie sich durch Archive und Bibliotheken, forschten wie die Besessenen, und sie können nun stolz sein auf das, was sie den Lesern und Forschern präsentieren."
Anke Zimmer, Fuldaer Zeitung, 09.09.2017

"Das Goethe-Bonmot „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“ galt also ausgerechnet nicht für Monsieur Göthé, obwohl dieser doch durchaus in ästhetischen Belangen reüssiert hatte. Und doch war er für seinen dünkelhaften Nachfahren offenbar nicht standesgemäß, wie die eingängig präsentierten Recherchen der Autoren belegen. Spannendes Buch, süffige Anekdoten.“
Hendrik Werner, Weser-Kurier, 29.11.2017

"Heiner Boehncke, Hans  Sarkowicz und Joachim  Seng ist es gelungen, ein beeindruckend detailreiches  Lebensbild von Friedrich Georg  Göthe, dem unbekannten Großvater Johann Wolfgang Goethes, zu zeichnen. In ihrer quellengesättigten und opulent ausgestatteten Darstellung entfalten sie ein faszinierendes kulturgeschichtliches Panorama des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Dabei erzeugen die vertieften Einblicke in das historische Schneiderhandwerk oder auch in die Entwicklung der Damenmode  eine plastische Vorstellung von den spezifischen Lebensumständen Göthes."
Nikolas Immer, Informationsmittel (IFB): digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft, September 2017

"In „Dichtung und Wahrheit“ wird der Großvater zwar einmal erwähnt. Den Namen von Friedrich Georg Göthé nennt Johann Wolfgang von Goethe jedoch an keiner Stelle seines Werkes. Diese Lücke schließt nun das Buch „Monsieur Göthé“."
Hanno Müller, Thüringer Allgemeine, 23.09.2017

"Die Ergebnisse der fast detektivischen Recherchen hat das Autorentrio zu einer gut lesbaren "Lebenserzählung aus Fragmenten" zusammengefügt und dabei auch den Zeit-Kontext sehr anschaulich mit in den Blick gerückt. Die späte Ehrenrettung des Mannes, dem der klassische Dichter Goethe seinen komfortablen Start ins Leben verdankte, liest sich regelrecht spannend und ist mit einer Fülle von Illustrationen ausgestattet. Als reizvolle Ergänzung zur Goethe-Biografik größeren Bibliotheken gerne empfohlen."
Ronald Schneider, ekz. bibliotheksservice, 2017/39

"Das ist ein wunderschön gestaltetes Buch, rot schillernd der Bezug, mit einer schneiderfaden-gestanzten Buchschlaufe, sehr textil. Und das ist auch angebracht, denn die Biographie, die in diesem Buch nachgezeichnet wird, ist die eines Schneiders."
Ev Schmidt, rbb kulturradio, 11.08.2017

"Bei dem hier zu besprechenden Titel handelt es sich um ein ungewöhnlich schön gestaltetes Buch, optisch und haptisch. (...) Nachdem er sich ausgiebig dem optischen Genuss hingegeben hat, kann sich der Leser in den Text versenken. Die Autoren haben jedem noch so winzigen Hinweis nachgespürt, der zur Vertiefung der gestellten Aufgabe beitragen konnte, haben Interpretationen gewagt und wieder verworfen, sind die Fragestellung erneut aus anderer Perspektive angegangen. Die Familiengeschichte der zahlreichen Göthe, Göthé und schlussendlich Goethe wird akribisch aufgefächert, wohl keines der vielen einschlägigen Literaturzitate ausgelassen; (...) Es ist der gelungene Rehabilitationsversuch für den erfolgreichen Schneidermeister Friedrich Georg Göthé."
Christel Lentz, Nassauische Annalen, Band 129-2018

Heiner Boehncke, geboren 1944, ist Professor für Vergleichende und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Frankfurter Goethe-Universität und ist ebenso wie Hans Sarkowicz durch seine Studien dem Werk von Grimmelshausen verbunden. Außerdem ist er Mitautor einer vielbeachteten  Geschichte der Familie von Georg Büchner. Von ihm und Hans Sarkowicz erschienen in der Anderen Bibliothek: Grimmelshausen (Band 323) sowie die Foliobände über den Malerbruder Ludwig Emil Grimm und die Briefe eines reisenden Franzosen von Johann Kaspar Riesbeck.

Hans Sarkowicz, geboren 1955, leitet das Ressort hr2-Kultur und Bildung beim Hessischen Rundfunk. Er ist Autor von Biographien und Mitherausgeber der Werke von Erich Kästner und hat zahlreiche Bücher zu kulturgeschichtlichen, historischen und politischen Themen verfasst.

Joachim Seng, geboren 1966, leitet die Bibliothek des Freien Deutschen Hochstift / Frankfurter Goethe- Museums. Er ist Autor und Herausgeber von Publikationen zu Goethe, Hofmannsthal und Paul Celan.

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