Japanische Märchen

Japan kennt eine jahrhundertealte und lebendige Tradition, seine Märchen zu überliefern: Es sind Erzählungen aus alter Zeit, Stoffe, die wir auch kennen, Tiergeschichten, Sagen und Legenden. Die Yuki-onna, die gespenstische „Schneefrau“, gehört zu den berühmtesten unter ihnen. Den Märchen-sammlungen in der „Manier der Brüder Grimm“ stehen diese Erzählungen in nichts nach – und doch stammen sie aus einer ganz anderen Kultur.

Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion, Leben und Tod scheint ungleich fließender als in ihren europäischen Entsprechungen – auch vor Erotik haben die japanischen Erzähler keine Scheu.

„Die Andere Bibliothek veröffentlicht mit dem schmalen Bändchen Japanische Märchen ein erstaunlich gelungenes Konvolut vor allem sprachlich raffinierter Prosa.(...) Es gibt emanzipierte Kurzprosa, sowie einige längere, sehr minimalistische gehaltene Geschichten, die so offen, zusammenfassend gehalten sind, das man sie sich gut als bis ins endlose ausgeschmückte Abende/ Nächte vorstellen kann. Überraschende Perspektivwechsel, Reisen in nicht für mögliche gehaltene Transitzonen, ulkige Dialoge, Wechsel von Pathos und Unverstelltheit gesellt sich zu absolut cartoonishen Verwicklungen, in denen ein beinahe autoritätsloses System von Tugend und Sünde das eine wie das andere auslöst, nicht selten auch in einem tragisch bis in die Ewigkeit währenden Loop enden lässt.“ Jonis Hartmann, Fixpoetry, 29.2.2020