Ernst Troeltsch
Die Fehlgeburt einer Republik

Ernst Troeltsch

Die Fehlgeburt einer Republik

Spektator in Berlin 1918-1922

Zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Johann Hinrich Claussen, überarbeitete Ausgabe

Es hat nicht viele deutsche Gelehrte und Intellektuelle gegeben, die wirklich politische Urteilskraft bewiesen haben. Gleich nach dem Ersten Weltkrieg, während der Revolution und in den ersten Jahren der Weimarer Republik, hat der Philosoph und Theologe Ernst Troeltsch unter dem Pseudonym »Spektator« in der bildungsbürgerlichen Kulturzeitschrift »Der Kunstwart« veröffentlicht.

Ein bis zwei Mal im Monat schrieb er über seine alltäglichen Beobachtungen im nachrevolutionären Berlin: Sie führen mitten hinein in eine zerrissene Zeit, lassen den Leser an den Aufregungen der Weimarer Republik teilhaben und stellen ihm die wichtigsten Akteure lebendig vor Augen. Und sie zeigen ganz unmittelbar, was für ein hohes Gut die Demokratie ist.

Ernst Troeltsch wollte das verhetzte Bürgertum für eine neue Politik gewinnen: für die Verständigung mit den europäischen Feinden und die Öffnung zum Westen, für die Aussöhnung mit der Arbeiterschaft und die Demokratisierung der deutschen Gesellschaft.

"Hätte es vor hundert Jahren in Deutschland nur mehr Männer wie diesen Unterstaatssekretär im preussischen Kultusministerium gegeben! Ernst Troeltsch war im Hauptberuf Professor für Religionsphilosophie und Kirchengeschichte an der Berliner Universität. Ein liberaler, kritischer Theologe, der unter dem Pseudonym «Spektator» in der Münchner Zeitschrift «Der Kunstwart und Kulturwart», später unter eigenem Namen Beobachtungen zur politischen Lage in der Reichshauptstadt veröffentlichte. Texte, die heute noch lesenswert sind. Eine neue Auswahl von Troeltschs Essays, ein «Extradruck» aus der «Anderen Bibliothek», ist eine Wiederauflage anlässlich des hundertsten Jahrestages der Revolution von 1918/19 in Deutschland." Cord Aschenbrenner, NZZ, 16.04.2019

Ernst Troeltsch, 1865 in Haunstetten bei Augsburg geboren, war einer der einflussreichsten Intellektuellen des späten Kaiserreichs und der frühen Weimarer Republik. Er hat ein riesiges gelehrtes Werk hinterlassen, hat sich aber auch früh politisch engagiert und zog 1919 in das preußische Parlament ein. Der Zerfall der Republik, den er kommen sah, stürzte ihn in eine tiefe Depression. 1923 starb er in Berlin.

Johann Hinrich Claussen, geb. 1964 in Hamburg, studierte evangelische Theologie, war von 1997 bis 2001 Gemeindepastor in Reinbek bei Hamburg, Privatdozent für Systematische Theologie an der Universität Hamburg und von 2004 bis 2016 Hauptpastor an der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern und Propst im Kirchenkreis Hamburg-Ost. Seit 2016 ist er Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Neben seiner journalistischen Arbeit veröffentlichte er zuletzt Das Buch der Flucht. Die Bibel in 40 Stationen, München 2018.

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