Grimmelshausen
Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen

Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch

Aus dem Deutsch des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser

Ein Roman über den Krieg und das Geld, über das Leben und Lieben, das Hauen und Stechen in einer verkehrten Welt, in der es drunter und drüber geht - ein Weltbuch und Zeitbild, das nichts auslässt und auf der literarischen Klaviatur alle Register zum Klingen bringt.
Ein „Literatur- und Lebensdenkmal der seltensten Art“ nannte Thomas Mann diesen ersten großen Roman in deutscher Sprache, in dem es »bunt, wild, roh, amüsant, verliebt und verlumpt« zugehe, »kochend von Leben, mit Tod und Teufel auf Du und Du«. Die Titelfigur und den Namen des Dichters kennt jeder - nur gelesen hat das gewaltige Buch so gut wie niemand, denn das barocke Deutsch des Autors ist uns inzwischen fast unzugänglich geworden.

Reinhard Kaiser ist das Kunststück geglückt, Rhythmus, Ton und Geist des ursprünglichen Textes, seine Tiefe und seinen übersprudelnden Witz wieder präsent werden zu lassen. Für seine Übertragung des »Simplicissimus« aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts in eine allgemein verständliche Sprache erhielt er den Grimmelshausen-Sonderpreis 2009 und den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau 2011.

"Der 400. Jahrestag des Beginns des Dreißigjährigen Krieges gibt nun einen späten Anlass, dieses grandiose Buch wiederzuentdecken. Reinhard Kaiser ist mit seiner Übersetzung das Kunststück gelungen, Grimmelshausens barockes Zeitgemälde sprachlich so aufzufrischen, dass es wieder leuchtet wie ein restauriertes Bild, auf dem alle nachgedunkelten oder verblassten Stellen in alter Farbkraft erstrahlen. Die kunstvolle Verflechtung von biografischem Abenteuer, fantastischer Kolportage und bildungsbeflissener Assoziationswut entfaltet in Kaisers Sprache ein Panorama des Krieges, das mit blendender Schärfe Grauen und Größe dieser Zeit sichtbar macht. Wir entdecken, dass die deutsche Literatur mit Grimmelshausen einen Dichter besitzt, der Cervantes und Shakespeare das Wasser reichen kann."
Holger Teschke, neues deutschland, 23.05.18

"Sein 1668 erschienener Simplicissimus, als Schelmenroman intoniert, führt den Leser gleich auf den ersten Seiten in eine brueghelsche Apokalypse. Aus der naiven Perspektive eines unbedarften Bauernjungen erleben wir den Höllensturz der Welt: wie Soldaten den elterlichen Hof überfallen und plündern, ihre Opfer bestialisch foltern, vergewaltigen und am Ende alles in Brand stecken. (...) Das düster komische, grandiose Werk – Reinhard Kaiser hat es erst kürzlich für die Andere Bibliothek aus dem barocken in ein heutiges Deutsch transponiert – hält noch manchen Horror bereit, wie den berühmten Gang über das Schlachtfeld von Wittstock, der eine verwüstete und verkehrte Welt beschwört."
Benedikt Erenz, DIE ZEIT, 17.05.2018

Pressestimmen zur Originalausgabe:

"Einer der großen Romane der Literaturgeschichte wird endlich wieder lesbar. Der Übersetzer Reinhard Kaiser (...) hat sich die Mühe gemacht, den verknorzten ‚Simplicissimus’ Satz für Satz in ein so verständliches wie elegantes Deutsch zu übertragen — eine Übersetzung aus dem Deutschen ins Deutsche, wie man sie auch mancher anderen Schrift des 17. und 18. Jahrhunderts wünschen möchte. Das Ergebnis ist die unverhoffte Wiederkehr eines ziemlich verschollenen Meisterwerks, ein kleines Wunder des Literaturbetriebs."
Mathias Schreiber, Der Spiegel, 3. August 2009


"Grimmelshausens ‚Simplicissimus’ ist das lebensprallste Werk deutscher Barockliteratur. Reinhard Kaiser hat diesen Kulturschatz brillant in heutige Sprache übersetzt und damit jetzigen und künftigen Generationen zugänglich gemacht. ... Ein Faust war Grimmelshausen nicht, der die Welt in ihrem Innersten ergründen will, aber ein belesener Poeta doctus schon, und nirgendwo sonst haben Buchwissen und Welterfahrung sich so innig vereint wie in diesem Werk."
Ulrich Baron, Rheinischer Merkur, 34/2009


"Die Fabulierlust des Ich-Erzählers, die Abenteuer seines wechselvollen Lebenslaufs, die Dummheiten und Schelmenstreiche seiner Jugend, die Heldentaten seines Soldatenlebens und nicht zuletzt seine erotischen Eskapaden als Lustknabe (‚Beau Allemand’) für Pariser Damen machen den Charme dieses Romans aus. (...) Von der Patina der umständlichen barocken Sprache befreit, zeigt sich der ‚Simplicissimus’ nach fast 350 Jahren immer noch erstaunlich frisch, jugendlich, unverbraucht. Raffiniert, wie Grimmelshausen mit verschiedensten Perspektiven und Techniken in unendlich vielen Geschichten die Torheiten der Zeit spiegelt."
Rainer Schmitz, Focus, 34/2009


"Plötzlich ist das sperrige, mit Willensstärke und Wörterbuch durchzuarbeitende Werk ein gut lesbarer Abenteuerroman."
Wolfgang Schneider, Deutschlandradio Kultur, 3. November 2009

"Kaisers Übersetzung ist eine Großtat eigener Qualität. Eine Tat aus Leidenschaft, was man auf jeder Seite merkt. Das wiederum kann heutige Leser befeuern, das Buch neu und frisch wahrzunehmen."
Rolf-Bernhard Essig, Nürnberger Nachrichten, 5. Dezember 2009


"Schon nach der Lektüre der ersten Sätze verfliegt jede Skepsis. Ja, genau so muss dieses großes Buch gelesen werden, und endlich kann es auch gelesen werden. (...) Mit Kaisers Text ist eine vollständige Lesefassung entstanden, die sich regelrecht entfesselt lesen lässt. Dabei bleibt das Buch ein unersetzlicher Schatz, nur tritt es uns jetzt wie ein restaurierter Film, wie ein wunderbar restauriertes Bild neu vor Augen."
Peter Brunner, Darmstädter Echo, 12. August 2009


"Der Übersetzer Reinhard Kaiser hat sie, als Neufassung des Romans in heutiger Erzählersprache, kühn und einfühlsam angefertigt. (...) Nun kann man auch wieder in voller Pracht ermessen, welch unverwüstlich vitales, vielfarbiges Geschichtsrankwerk aus diesem ersten großen deutschen Entwicklungsroman sprießt."
Oliver vom Hove, Die Presse, 31. Oktober 2009


"In der Tat: Kaisers Übertragung ist ein schöner Text geworden, dem man die Vorsicht und Akribie seines Verfassers in jedem Satz anmerkt . Eng bleibt er am Original; gliedert Abschnitte neu, ersetzt die Virgeln durch moderne Zeichensetzung, gleicht Orthografie und Satzstellungen an."
Philipp Theisohn, Basler Zeitung, 30. Oktober 2009


"Nicht hoch genug zu loben ist daher der Verdienst von Reinhard Kaiser, der das Buch ins heutige Deutsch "übersetzte", also sprachlich modernisierte. Puristen mögen die Nase rümpfen - uns soll es nicht stören. Es ist darüber hinaus eine wunderschöne Ausgabe geworden, zwei Bände im Schuber, mit Illustrationen und einem interessanten Anhang. Keine Ausrede mehr: Zurück ins 17. Jahrhundert.“
Uwe Schütte, readme.de, 13. November 2009


”Das Ergebnis ist beeindruckend. Der Grimmelshausen ist dank Reinhard Kaiser von der gehörige Disziplin voraussetzende Pflicht- zur Lustlektüre aufgestiegen.“
Volker Isfort, Abendzeitung/München, 24. September 2009

”Auch den Ton modernisiert Kaiser mit Bedacht, bringt das Buch zum schwingen, ohne sich dabei je an den Zeitgeist heranzuschmeißen. Die Verjüngungskur bekommt dem Simplicissimus und macht dieses große Werk der deutschsprachigen Barockliteratur zu einer spektakulären Wiederentdeckung.“
Katharina Teutsch, FAZ.net, 2. November 2009


”Jetzt endlich liegt ‚Der Abenteuerliche Simplicissimus’ in einer lesbaren Fassung vor und offenbart überraschende Qualitäten ... Denn was bislang in immer neuen Fassungen, Kürzungen und Überarbeitungen nach den ersten Drucken des ‚Simplicissimus Teutsch’ und der ‚Continuatio’ von 1668/69 erschienen war, das erstrahlt in neuem Glanz — befreit von der sprachlichen Patina des Barock. (...) Ein großes Leseabenteuer."
Emmanuel van Stein, Kölner Stadt-Anzeiger, 22. August 2009


"Die Übersetzung ist, wie auch das Lektorat und die Ausstattung, spürbar ein Werk der Liebe. Dieses Buch ist ein Geschenk. Das bildungsbürgerliche Naserümpfen über die Unverfrorenheit, einen deutschen Text zu übersetzen, geht fehl." Johannes Groschupf, Berliner Zeitung, 3. September 2009

"Jetzt kann man Grimmelshausen wieder verstehen. ... von überzeugender Schönheit und Wucht."
Thomas Schmid, Die Welt, 8. August 2009

"Der Leser kann, wie er es gewohnt ist, zügig lesen; er stolpert nicht mehr über die veraltete Schreibweise der Umlaute, der verschiedenen S-Laute und der geschwungenen Großbuchstaben. Der Roman ist ihm durch das neue Kleid, in dem er steckt, vertraut und lesbar geworden. Diese Überwindung der Distanz ist ein Gewinn, dessen Früchte vor allem im Deutschunterricht geerntet werden können. (...) Als erfolgreicher Übersetzer vermittelt er Sinn und Bedeutung des Romans; als Dichter verleiht er dem Simplisissimus eine Form, die der moderne Leser genießen kann."
Alois Weimer, Cicero, 11. August 2009


"Der Roman ist taufrisch und liest sich trotz seines beträchtlichen Umfangs leicht und spannend."
Die Welt, 10. Oktober 2009

"Die neue Prachtausgabe mit vielen Hintergrundinformationen bereitet nicht nur ein erstaunliches Lesevergnügen. Sie zeigt auch: Früher war nicht alles besser."
Sven Boedecker, Sonntagszeitung Schweiz, 11. Oktober 2009


"Kaiser hat in seiner Übersetzung genau den Ton getroffen der uns heute anspricht, ohne sich vom Originaltext zu weit zu entfernen. Der ”neue“ Text weist den Übersetzer zudem als einen Mann mit Wortschatz und von bildhaftem Sprachvermögen aus. Kaiser kann es sich aufs Papier schreiben, dass er mit seiner, mit großem Einfühlungsvermögen in den Text und die Zeit von dessen Entstehung verfassten ”Übersetzung“ auch ganz zweifelsohne zu einer Wiederentdeckung des Verfassers und seiner bewegten Biografie beitragen wird."
Werner Kurz, Hanauer Anzeiger, 10. Oktober 2009


"Kaiser hat ein Fassung geschaffen, die Eleganz hat und sich wunderbar liest, und der Verlag, der den Roman, nobel gedruckt und ausgestattet, herausbrachte, hat viel Liebe in sein Grimmelshausen-Prokjekt investiert."
Klaus Bellin, Lesart, 14. Oktober 2009


"Der Vielfachroman — Satire, Gesellschaftskritik, Kriegserklärung, Entwicklungsroman, Erbauungsbuch, Schelmenroman und mehr — strotzt vor Leben. Kaiser legt damit die bemerkenswerte Neufassung eines Romans vor (...)."
Bayernkurier, 19. September 2009


"Gediegen restauriert und blankgeputzt strahlt der Simplicissimus in alter Jugendfrische."
The Associated Press, 3. Dezember 2009


"So brillant, so schön, so spannend..."
Günter Nawe, Kölnische Rundschau, 14. September 2009


"Ein Text, der bislang aus sperrigen Sprachdetails bestand, die den Blick auf seine Handlung verstellten, gestattet plötzlich wieder die Sicht auf seine Ereignisse, Gefühle und Ideen."
Florian Balke, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15 August 2009


"Dass die Andere Bibliothek jetzt aus dem ‚Simplicissimus Teutsch’ einen ‚Simplicissimus Deutsch’ hat machen können, verdankt sich der Virtuosität des Übersetzers Reinhard Kaiser, der das barocke Textgebilde behutsam und kundig gelichtet und an den Sprachgebrauch unserer Tage herangeführt hat. Das erleichtert einem den Zugang zu einem der faszinierendsten und zugleich schrecklichsten Werke der deutschen Literatur, ohne einem dessen Originalausgabe zu verleiden."
Ulrich Baron, Spiegel Online, 10. August 2009


"Kaiser ist ein Meister-Operateur: Auch wer die Originalversion kennt und sich durch die barocken Satzungetüme gewühlt hat, wird dennoch (oder vielleicht sogar erst recht) seine Freude an dem flüssigen und kernigen Deutsch haben, dass den Simplicissimus ins Hier und Jetzt trägt, ohne dass der Originaltext etwas von seinem zeitgenössischen Zauber verloren hätte. So gesehen ist es ein kleines Sprachwunder, das Kaiser vorgelegt hat."
Markus Paul, Nürnberger Zeitung, 14. August 2009



 

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen wurde 1621 oder 1622 im hessischen Gelnhausen geboren. Den Dreißigjährigen Krieg hat er von 1634 bis zum Friedensschluss im Jahre 1648 aus nächster Nähe erlebt – als Pferdejunge, als Soldat und zuletzt als Regimentsschreiber. Später wurde er Burg- und Gutsverwalter am Oberrhein und starb dort als Schultheiß von Renchen im August 1676.

Reinhard Kaiser, geboren 1950 in Viersen am Niederrhein, ist der Anderen Bibliothek seit ihren Anfängen durch zahlreiche Übersetzungen und Editionen verbunden. Seine Übertragung von Grimmelshausens Roman "Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch" wurde 2009 ein Bestseller, er wurde dafür mit dem Sonderpreis zum Grimmelshausen-Preis (2009) und mit dem Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau (2011) ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm übersetzt: Rétif de la Bretonne, "Monsieur Nicolas oder Das enthüllte Menschenherz" (2017).