
Klaus Harpprecht
"Gibt es einen schöneren Egoismus als den des Lesers, der bei der Lektüre Trost, Glück und Heiterkeit sucht?"
Zu den Herausgebern»

Michael Naumann
"Die Andere Bibliothek ist etwas Besonderes, das fortzuführen sich lohnt."
Informationen zur Geschichte der Reihe»
Zur Geschichte der Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK
»Die Einwohner der Bundesrepublik sind mit Büchern gut versorgt. Der Umsatz liegt bei vielen Millionen und jedes Jahr erscheinen tausende neue Titel. Nörgler und Unzufriedene gibt es immer. Wir zählen uns zu ihnen. Deshalb wollen wir damit anfangen, DIE ANDERE BIBLIOTHEK zu veröffentlichen: und wir haben nicht die Absicht, damit aufzuhören, solange wir unzufrieden sind. Das kann sehr lange dauern.«


Mit diesen Worten kündigten Hans Magnus Enzensberger und der Verleger und Buchkünstler Franz Greno Ende 1984 eine neue Buchreihe an, die sich daran machte, mit allen Gepflogenheiten des verlegerischen Betriebs zu brechen: Monat für Monat sollte ein besonderes Buch erscheinen, ausgewählt und herausgegeben von Hans Magnus Enzensberger, sorgfältig lektoriert und liebevoll gestaltet, nach den alten Regeln der Schwarzen Kunst in Grenos Nördlinger Werkstatt in Blei gesetzt, auf holz- und säurefreies Papier gedruckt, jeder Band individuell gebunden, mit Rückenschild aus Leder und Lesebändchen. Denn: »Luxus ist kein Verbrechen«.
Es begann, durchaus programmatisch, im Januar 1985 mit den Lügengeschichten und Dialogen Lukians von Samosata, die sich im Nu 20.000mal verkauften. Und der bis heute ungebrochene Erfolg der ANDEREN BIBLIOTHEK beim Lesepublikum, beim Buchhandel und bei den Medien hat den Erfindern recht gegeben: Im November 2004 feiert die »schönste Buchreihe der Welt« (Die ZEIT) mit dem 240. Band, den von Oliver Lubrich herausgegebenen Reisen ins Reich, ihr zwanzigjähriges Bestehen, davon inzwischen mehr als fünfzehn Jahre unter dem verlegerischen Dach des Eichborn Verlags.
»Anything goes« lautete das Programm: Die branchenübliche Einteilung in Sachbuch und Literatur hat den Herausgeber der ANDEREN BIBLIOTHEK nie interessiert, ebensowenig die zwischen Klassiker und Neuerscheinung. Aufmerksame Leser bemerkten sehr wohl, dass die Bibliothek über die Jahre hinweg Schneisen in vielerlei Richtungen geschlagen hat: »Vielvölker-Erzählungen« und schräge Märchen; neben entlegeneren europäischen auch außereuropäische Literaturen; autobiographische Erzählungen und originelle Lebensbeschreibungen; Forschungsreisen und ethnologische Erkundungen; eine Vielzahl von ABC-Büchern, Lexika und Enzyklopädien; geistreiche »Hand- und Nutzbücher« sowie Geschichtsbücher, die mit akademischen Usancen brechen. Auch in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur hat die Reihe etwa mit W.G. Sebald oder Christoph Ransmayr Maßstäbe gesetzt.
In ihrer Geschichte erfuhr DIE ANDERE BIBLIOTHEK einige konzeptionelle Änderungen: Ab Oktober 1989, als die Reihe im Eichborn Verlag Teil des Programms wurde, gab es von der aufwendigen Bleisatzausgabe nur noch eine einmalige, limitierte Auflage. Weitere Auflagen wurden als sogenannte Erfolgsausgaben von nun an im Offset-Verfahren hergestellt. Viele der bisher erschienenen Bücher sind inzwischen in der Originalausgabe vergriffen, besonders gefragte Bände erzielten schon vor Jahren auf Versteigerungen Preise von mehreren hundert Euro.
Mit Beginn des Jahres 1997 verabschiedete sich DIE ANDERE BIBLIOTHEK von einer alten Tradition. Der Computersatz war inzwischen derart ausgereift, dass er den Standard des besten Bleisatzes übertraf. Getreu dem alten Grundsatz, nur die besten verfügbaren technischen Herstellungsmittel zu verwenden, entschied sich Franz Greno dafür, DIE ANDERE BIBLIOTHEK auf das moderne Satzverfahren umzustellen. Der Bestand seiner Nördlinger Werkstatt fand als einzigartiges Zeugnis der Schwarzen Kunst im Geiste Gutenbergs Eingang in das Deutsche Museum in München.
Seit ihrem Beginn hat DIE ANDERE BIBLIOTHEK viele Bücher verlegt, die sich still und stetig verbreiteten und anderswo wohl kaum eine Chance gehabt hätten. Aber es gab auch spektakuläre Erfolge. Das Wasserzeichen der Poesie von Andreas Thalmayr zählt dazu (gut 200.000 Exemplare), Christoph Ransmayrs Letzte Welt oder Fromme Lügen von Irene Dische. Das anonyme Tagebuch Eine Frau in Berlin und Manieren von Asfa-Wossen Asserate waren über einige Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste. Überaus erfolgreich waren des weiteren Raoul Schrotts Erfindung der Poesie, Rolf Vollmanns Romanverführer oder Hans Stiletts Neuübersetzung der Essais von Montaigne, die als opulenter Sonderband in Quart-Format erschien und sich in wenigen Monaten rund 80.000mal verkaufte.
Und selbst Alexander von Humboldts beinahe 1.000 Seiten umfassendes Lebenswerk Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung fand seinen Weg auf die Bestsellerlisten, als DIE ANDERE BIBLIOTHEK aus dem Jubiläumsjahr 2004 ein veritables Humboldt-Jahr machte - mit dem Kosmos, den erstmals auf Deutsch (!) erschienen Ansichten der Kordilleren und den Ansichten der Natur, die bereits als Band 17 der Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK erschienen waren.
»Was lange währt, muss nicht ewig dauern«, begründete Hans Magnus Enzensberger Ende 2004 seinen Wunsch, die Herausgeberrolle aufzugeben. Unter der Ägide von Wolfgang Hörner verfolgte der Eichborn Verlag zunächst eine Interims-Lösung, die ab Band 254 greifen sollte. Autoren, die durch ihre Arbeit DIE ANDERE BIBLIOTHEK wesentlich geprägt hatten, gaben nun Bände heraus, die ihnen am Herzen lagen. Hans Christoph Buch etwa brachte Magnus Hirschfelds Weltreise eines Sexualforschers ein, Anita Albus mit D'Arcy Thompsons Über Wachstum und Form einen Klassiker der Wissenschaftsliteratur, Rolf Vollmann empfahl einen bislang unveröffentlichten Roman von Charles Sealsfield, Martin Mosebach präsentierte Aphorismen von Nicolás Gómez Dávila und Reinhard Kaiser sorgte mit Elena Balzamo für die Wiederentdeckung von Olaus Magnus. Die Wunder des Nordens. Die Ausstattung wurde weiter von Franz Greno besorgt. Dass die Qualität auch in dieser Phase auf höchstem Niveau war, mag die Nominierung von Wolfgang Schlüters Anmut und Gnade für den Preis der Leipziger Messe 2007 in der Kategorie Belletristik belegen.
Hinter den Kulissen wurde freilich nach einem neuen Herausgeber gesucht. Und mit Klaus Harpprecht und Michael Naumann wurden gleich zwei herausragende Persönlichkeiten des kulturellen Lebens gewonnen. Für beide ist »die deutsche Buchlandschaft ohne DIE ANDERE BIBLIOTHEK undenkbar«. Mit dem Sonderband von Georg Forster, Reise um die Welt, der im Oktober 2007 erschienen ist, nahmen Klaus Harpprecht und Michael Naumann dann ihre Arbeit für die bibliophile Reihe auf. Christian Ide, Professor für Verlagsherstellung an der HTWK Leipzig, und Lisa Neuhalfen, freie Buchgestalterin, verantworteten das Ausstattungskonzept für die neue Staffel ab Oktober 2007. Seit Oktober 2008 wird die Ausstattung und grafische Gestaltung der Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK von der Herstellungs- und Grafikabteilung des Verlages betreut. In der Herstellung hat Eichborn mit Cosima Schneider (Diplom Designerin) und Susanne Reeh (Diplom Ingenieurin) die bestmögliche Verbindung technischer und gestalterischer Kompetenzen. Beide Herstellerinnen haben sich über Eichborn hinaus entweder über Lehraufträge im universitären Bereich oder die grafische Arbeit für Kunstkataloge und Galerien sowie ein eigenes Designbüro einen Namen gemacht. Mit der Diplom-Designerin Christina Hucke und der diplomierten Grafikdesignerin Christiane Hahn hat Eichborn in der Coverabteilung hochkarätige Gestalterinnen, die bereits seit vielen Jahren maßgeblich an der Gestaltung der äußeren »Schlaufen« der Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK beteiligt sind. Sie alle werden die Geschichte der Reihe fortschreiben.
