Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch
Geschenkausgabe mit 768 Seiten
Geprägtes Moirée-Leinen mit Kopfschnitt und Lesebändchen
Zweifarbiger Druck mit halben Schutzumschlag
65.00 Euro (D), 99.00 sFr
ISBN 9783821847726
Mehr Infos »

Auch als Hörbuch erhältlich!


Sprecher: Felix von Manteuffel
18 CDs, Digipaks im Schuber (ca. 1.500 Min.)
69.95 Euro, 99.00 sFr
ISBN 9783821863290
Mehr Infos »

Vita Grimmelshausen

Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen wurde 1621 oder 1622 im hessischen Gelnhausen geboren. Dass er im »Simplicissimus« seine Kindheit und sein Soldatenleben im Dreißigjährigen Krieg geschildert habe, ist wohl nur ein Teil der biographischen Wahrheit. Wie die ganze Wahrheit aussieht, weiß man nicht. Er starb im August 1676 in Renchen bei Offenburg – vor genau 333 Jahren.

Vita Reinhard Kaiser

Reinhard Kaiser, geboren 1950 in Viersen am Niederrhein, ist einer der brillantesten und angesehensten Übersetzer aus dem Englischen. Er studierte Germanistik, Romanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie in Berlin, Paris, Köln und Frankfurt (a.M.), arbeitete als Übersetzer und Lektor (Belletristik und Sachbuch) erst für den Suhrkamp-Verlag und ab 1980 als freier Übersetzer und Lektor für viele große Publikumsverlage.

 

Seit 1976 übersetzte er über 70 Bücher aus dem Englischen ins Deutsche von Isaiah Berlin bis zu Irene Dische, Sylvia Plath und Susan Sontag, von D.H. Lawrence, Sam Shepard, Neil Postman bis zu Richard Sennett und schrieb bisher acht Bücher als originaler Autor.

 

Der Anderen Bibliothek ist er seit ihren Anfängen eng verbunden, als Lektor, Übersetzer und Herausgeber von Werken wie Seumes Spaziergang nach Syrakus und (zusammen mit Elena Balzamo) »Warum der Schnee weiß ist. Märchenhafte Welterklärungen« sowie Olaus Magnus´ »Die Wunder des Nordens«.

 

Preise und Stipendien:
1992 Literaturpreis der Stadt Dormagen.
1993 Stipendium des Berliner Senats für die Teilnahme an der Übersetzerwerkstatt im Literarischen Colloquium.
1993 Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreises.
1994/95 Stipendium des Deutschen Literaturfonds für Eos´ Gelüst.
1995 Literatur-Stipendium der Märkischen Kulturkonferenz.
1997 Deutscher Jugendliteraturpreis (Sparte Jugendsachbuch) für Königskinder. 1998 Deutscher Jugendliteraturpreis (Sparte Kinderbuch) für die Übersetzung von Irene Disches Erzählung Zwischen zwei Scheiben Glück.
2003 Niederrheinischer Literaturpreis.
2009/2010 für die Neuübertragung des »Simplicissmus« von Grimmelshausen den Grimmelshausen-Sonderpreis und den Wilhelm Merton-Preis für europäische Übersetzungen

Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch

 

Ein Roman über den Krieg und das Geld, über das Leben und Lieben, das Hauen und Stechen in einer verkehrten Welt, in der es drunter und drüber geht.

Ein Weltbuch und Zeitbild, das nichts auslässt und auf der literarischen Klaviatur alle Register zum Klingen bringt.

 

 

 

 

Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“, erstmals 1668/69 in Nürnberg gedruckt, ist der eine, ganz große Roman des deutschen Barock, das große Volksbuch der deutschen Literatur.

 

Es hatte zu Lebzeiten von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen bahnbrechenden Erfolg, es gab mehrere Fortsetzungen und andere „simplicianische“ Schriften. Und – wahrscheinlich wurde über dieses Buch alles gesagt und geschrieben, was dazu zu sagen und schreiben ist. Zumindest die Zuschreibungen, die der „Simplicissimus“ im Laufe seiner dreihundertvierzigjährigen „Wandlungsgeschichte“ erfahren hat, müssten ihn – bis heute – zu einem der populärsten Bücher aller Zeiten machen: dieses Buch sei eine Persiflage und Parodie auf Wolfram von Eschenbachs Parzival; es sei ein Bindeglied zwischen Parzival und Goethes Wilhelm Meister – und damit eingereiht in den Olymp des deutschen Entwicklungsromans. Ein Bekehrungsroman sei er, ein Schelmen-, ein Picaro-Roman, ein Abenteuerroman, ein komischer dazu, ein Stück große Satire, ein Narrenspiegel, ein christliches Erbauungsbuch, ein autobiographischer Roman, ein Kriegsroman, ein Zeiten- und Sittenbild, in Teilen eine Utopie, erotische Groteske, ein phantastischer Reisebericht, eine Robinsonade und noch einiges mehr ...

 

All diese Zuschreibungen treffen zu und doch – ist die Lektüre dieses Buches nicht mit Lust, nein, – eher traditionell durch Schule und bestenfalls noch Studium – mit Frust, dem Addiktum der Unlesbarkeit, der Langeweile und vor allem der Mühsal verbunden. Warum diese Mühsal und nicht erkennende Lust?, fragte sich Reinhard Kaiser, als er sich an die Übersetzung des Simplicissimus machte und einen ungeheuerlichen Prozess der „Entzifferung“, die „brutale Operation“ des Übersetzens in Angriff nahm....

 

Hier galt es, den verborgenen Glanz von Grimmelshausens „Herzenszähmerin“ wieder zum Vorschein zu bringen: dieses Buch durch Übersetzen zu entziffern und – hinterher – beim erneuten Lesen zu Entdeckungen zu verhelfen, mit denen der geneigte Leser beileibe nicht gerechnet hat. Der Simplicissimus ist „keine altbackene, muffig und fast ungenießbar gewordene Scharteke, sondern ein Roman, der mit seinem Scharfsinn, seinem Witz und seiner gedankenspielerischen Kunstfertigkeit, mit seiner Großartigkeit und Eindringlichkeit zu den allerbesten gehört, die es in unserer Literatur gibt“. (Reinhard Kaiser)

 

"Das ist die Beschreibung des Lebens eines seltsamen Vaganten, genannt Melchior Sternfels von Fuchshaim, nämlich: wo und wie er in diese Welt gekommen, was er darin gesehen, erfahren, gelernt und ausgestanden, auch warum er sie freiwillig wieder verlassen hat. Überaus unterhaltsam und für jedermann nützlich zu lesen. "

 

Für seine Übertragung des »Simplicissimus« aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts in eine allgemein verständliche Sprache, die in hervorragender Weise Rythmus, Ton und Geist des ursprünglichen Textes bewahrt, erhält Reinhard Kaiser den Grimmelshausen-Sonderpreis 2009. Die Preisverleihung wird im Herbst diesen Jahres in der Grimmelshausen-Stadt Renchen stattfinden. Der Johann-Jakob-Christoph-von-Grimmelshausen-Preis gehört seit 1993 zu den renommierten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum und wird von den Städten Renchen und Gelnhausen sowie den Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen gestiftet.

 

»Mich übersetzen? Ist das Ihr Ernst?«
Werkstattgespräch

 

Es war an einem Freitagabend, Mitte Februar. Vormittags hatte ich die erste Korrektur von Buch Fünf des »Simplicissimus « abgeschlossen und war eben von einer ziemlich langen, aber erfreulich kurzweiligen Besprechung im Verlag über einen Sonderprospekt zu unserem Grimmelshausen- Projekt an meinen Schreibtisch zurückgekehrt. Da stand er plötzlich hinter mir und starrte misstrauisch auf den Bildschirm, wo sich gerade die Datei »Gri01.doc« öffnete. Nicht mein elektronisches Schreibgerät irritierte ihn.

Was lese ich da? »Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts ...«? Soll das heißen, Sie übersetzen mich? Aus dem Deutschen ins Deutsche? Ist das Ihr Ernst?

Und ein großes Vergnügen ist es auch!

Für mich wohl weniger, fürchte ich ... Man ist ja so wehrlos in der Lage, in der ich mich befinde. Was habe ich mir nicht schon alles gefallen lassen müssen! Umgeschrieben haben sie meinen »Simplicissimus«, zusammengestrichen, gesäubert, zensiert – für die Jugend, für den guten Geschmack, für Volk und Nation ... Aber übersetzt – ins Deutsche, meine ich – hat mich noch niemand! So dreist war noch keiner.

Ja, Übersetzen ist eine ziemlich brutale Operation. Aber gekürzt, gesäubert und zensiert wird dabei nicht.

Wozu machen Sie sich überhaupt die Mühe? Wollen Sie denn behaupten, dass man mich in meinem eigenen Land nicht mehr versteht?

Sie wissen ja, Sprachen verändern sich immerzu – kaum merklich für die, die sie gerade sprechen, aber unübersehbar, wenn man zurückblickt und ältere Bücher aufschlägt. Dreihundertvierzig Jahre sind da keine Kleinigkeit. Die Unverständlichkeiten häufen sich.

Aber was sind dreihundertvierzig Jahre gegen die achthundert Jahre eines »Parzival«?! Den übersetzt man inzwischen ja auch immer mal wieder – mit wechselndem Erfolg, wie ich gesehen habe. Trotzdem, was meine Bücher betrifft, finde ich immer noch: Hände weg! Sollen sich die Leute lieber ein bisschen Mühe geben, auch wenn‘s schwerfällt!

Sie werden lachen! Viele meinen, es gehe ganz ohne Mühe, und wundern sich über die Idee, den »Simplicissimus« zu übersetzen. »Wozu denn das?«, sagen sie. »Den kann man doch lesen!« Aber wenn man dann nachfragt, ob sie es auch getan oder wenigstens versucht haben, werden die meisten kleinlaut, schütteln den Kopf oder geben zu, sie seien über zehn oder zwanzig Seiten nicht hinausgekommen.

Immerhin sind sie ehrlich.

An Heuchlern, die nur so tun als ob, fehlt es nicht. Aber es gibt auch Leute, die sich wirklich Mühe geben oder geben müssen. Die erarbeiten sich Ihr Buch in Oberstufen- Leistungskursen und Germanistikseminaren. Das sind die happy few!, könnte man sagen. Aber es stimmt leider nicht. Denn erstens sind sie gar nicht so wenige, und zweitens sind die meisten von ihnen nicht besonders happy. Neulich fragte mich ein junger Mann, woran ich gerade sitze. Als ich es ihm sagte, zuckte er zusammen und seufzte: »Am Simplicissimus bin ich in der Schule gescheitert!«

Na, das klingt ja geradezu nach Missbrauch! Eine Quälerei sollte mein Buch nun wirklich nicht sein – im Gegenteil! Und es war auch keine, als es herauskam.

Vor dreihundertvierzig Jahren!

Und heute? Wo liegt das Problem? Was quält?

Da kommt, glaube ich, Verschiedenes zusammen. Wie gesagt, das Unverständliche oder schwer Begreifliche nimmt zu – Wörter und Wendungen, die außer Gebrauch und so sehr in Vergessenheit geraten sind, dass man sie wie Vokabeln einer fremden Sprache in Wörterbüchern nachschlagen muss. Und dann sind da auch – besonders tückisch! – etliche nach wie vor gebräuchliche Wörter, deren Bedeutung sich im Lauf der Zeit verschoben hat, ohne dass man es ihnen gleich ansieht, die sogenannten »falschen Freunde«.

Was sind denn das für Kerle?

Zum Beispiel das Wort etliche selbst. Heutzutage denkt man dabei an ziemlich viele, im »Simplicissimus« dagegen bedeutet es einige wenige, ein paar. Drei Leute sind dort schon etliche. Aber solche »harten« Übersetzungsschwierigkeiten sind nur ein Teil des Problems. Mindestens genauso wichtig und genauso verständniserschwerend sind die unzähligen kleineren Stolpersteine – Merkwürdigkeiten, Rätsel, Zweifelsfälle, die die meisten Leser mit ein wenig Nachdenken selbst klären können, alte Wortformen, altertümliche Schreibungen, absonderliche grammatische Strukturen und, mit Verlaub, eine gewisse Unübersichtlichkeit mangels gliedernder Satzzeichen und Absätze. Das alles erweckt den Anschein, als wäre die Prosa Ihres Romans mit einer Kruste oder, sagen wir, einer Patina überzogen, die den heutigen Leser vor eine schwierige Wahl stellt. Entweder er liest langsam, hält bei jedem Stutzpunkt inne und räumt ihn mit eigenem Nachdenken aus dem Weg. Dann wird das Lesen ausgebremst und verwandelt sich in ein Entziffern, in ein Übersetzen im Kopf. Für manche Leser, für die Übersetzer unter ihnen, kann das einen großen Reiz haben. Es ist aber nicht jedermanns Sache. Oder der Leser liest, wie er es gewohnt ist: zügig – und merkt bald, wie er nicht mehr alles mitbekommt. Eine Dunstschicht scheint sich über den Text zu legen, die vieles verschwimmen und nur die gröberen Konturen noch einigermaßen klar erkennen lässt. So bietet der »Simplicissimus « heutigen Lesern die Chance, sich auf zweierlei Weise zu verirren – entweder im Dunst des nur halb Verstandenen oder in Schwärmen von Einzelheiten, die der Klärung und Erklärung bedürfen.

Und Sie nehmen ihnen das Entziffern nun ab?

Ich versuche es – durch Übersetzen. Es wäre allerdings vermessen zu behaupten, dass bei dieser Operation, wenn der Übersetzer nur genügend Treue walten lässt, nichts verloren ginge. Manches, auch manches Reizvolle, geht beim Übersetzen unter. Das ist unvermeidlich. Aber anderes kommt, wenn die Sache gelingt, wieder zum Vorschein oder lässt sich auf neue Weise sichtbar machen. Ich hoffe jedenfalls, dass die Übersetzung denen, die sie nun bald lesen werden, zu Entdeckungen verhilft, mit denen sie nicht gerechnet haben. Der »Simplicissimus« ist nämlich nicht das, was er unter jener Dunstglocke zu sein scheint – er ist keine altbackene, muffig und fast ungenießbar gewordene Scharteke, sondern ein Roman, der mit seinem Scharfsinn, seinem Witz und seiner gedankenspielerischen Kunstfertigkeit, mit seiner Großartigkeit und Eindringlichkeit zu den allerbesten gehört, die unsere Literatur hervorgebracht hat. Ich würde mich freuen, wenn diese Übersetzung wieder erkennbar, erlebbar und lesbar macht, dass uns Ihr Roman viel näher kommen und viel direkter ergreifen und packen kann, als wir es von einem dreihundertvierzig Jahre alten Buch je erwartet hätten.

Genug gepredigt, Herr Übersetzer. Warten wir ab, was die Leute dazu sagen!

Sprach‘s, und war im nächsten Augenblick verschwunden.


Der 310. Band der Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK

 

»Grimmelshausen zeigt sich auch hier als sprachmächtiger, fabulierfreudiger und, was die Konstruktion der Romane angeht, geradezu moderner Autor. Wer schon einmal einen Abend lang Kaiser bei einer Lesung gelauscht hat, der weiß, dass er reich beschenkt nach Hause gehen wird.« (Frankfurter Rundschau, 12. Oktober 2010)

 

 »Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courage /
Der seltsame Springinsfeld«

Zwei simplicianische Romane
von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser
Eingebunden in feines Moiré-Leinen mit goldgeprägtem Muster, farbiger Kopfschnitt, Fadenheftung und Lesebändchen
32.00 Euro (D), 45,90 sFr
ISBN 9783821862330

Weitere Infos in diesem pdf zum Download »