Jean Paul

Ideen-Gewimmel

Ungedrucktes aus vierzigtausend Blättern

In 37 großen Kästen liegt er da, der Nachlass von Jean Paul: ein ungedrucktes Zettel-Meer. Es wurde 1888 von der Preußischen Staatsbibliothek für tausend Taler erworben, im Zweiten Weltkrieg ausgelagert, war dann verschollen, und ist in Moskau wieder aufgetaucht, 1958 wurde es zurückgegeben. Mit Erlaubnis der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz wird hier eine Auswahl aus den 40.000 Seiten dieses Riesenbestandes zugänglich gemacht. »Bemerkungen über uns närrische Menschen«; »Bausteine«; »Satiren und Ironien«; »Merkblätter«; »Erfindungsbücher«: so sind diese Aufzeichnungen überschrieben.
Was denn nun? Alles Mögliche, nur nicht ordentlich gekämmte Maximen oder Aphorismen zur Lebensweisheit - vielmehr ein blühendes Durcheinander von Ideen, Beobachtungen, Skizzen, Parabeln... Eine »Milchstraße von Einfällen«, wie sie Lichtenberg, jener andere große Außenseiter, in den Sudelbüchern hinterlassen hat.

»Jean Paul lässt dich auf vielerlei Weise entdecken. Es müssen nicht gleich die großen Romane sein. Der Wuz oder liebevolle Text-Sammlungen - allen voran das herrliche Ideen-Gewimmel - sowie seine grandiosen Briefe sind ein erstklassiker Einstieg.« Fuldaer Zeitung vom 16.03.2013

»Vor einigen Jahren schon, 1996, ist aus dieser Nachlasslektüre ein Buch entstanden, das im Jubeljahr 2013 und anlässlich des 250. Geburtstages Jean Pauls in der Anderen Bibliothek wiederaufgelegt wird. Ideen-Gewimmel heißt es, und es versucht, zumindest einen minimalen Einblick in die Schreibwerkstatt dieses singulär-seltsamen Autoren zu geben, der seit seinem 15. Lebensjahr aus Büchern abschrieb wie kein zweiter.« Michael Lissek am 24.02.2013 im WDR 3

Jean Paul, vulgo Johann Paul Friedrich Richter (1763-1825), war von einer unwiderstehlichen Lust am Notieren, Aufschreiben, Kritzeln besessen. Er nennt sie seine "Dinten-Liebhaberei", und er vergleicht sein Tun mit dem Stoffwechsel von Vaucansons Ente. Die war der berühmteste Automat des 18. Jahrhunderts. Der Klassiker als Gedanken-Brut-Maschine: das ist eine Idee, die allerdings eher ins 21. Jahrhundert zu passen scheint. Lange vergriffen, erscheint dieses Ideen-Gewimmel nun wieder in der Anderen Bibliothek.

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